Piriformis-Syndrom

Piriformis-Syndrom

Schmerzen im Gesäß und Bein 

Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäß, die bis ins Bein ausstrahlen, sind für viele Betroffene sehr belastend. Oft wird dabei sofort an einen Bandscheibenvorfall gedacht. Doch in vielen Fällen steckt eine andere Ursache dahinter: das Piriformis-Syndrom.


Was ist das Piriformis-Syndrom?

Der sogenannte Piriformis-Muskel ist ein kleiner, tief liegender Muskel im Gesäß. Er verbindet das Kreuzbein mit dem Oberschenkel und ist an vielen Bewegungen der Hüfte beteiligt.

Direkt unter diesem Muskel verläuft der Ischiasnerv – der längste und dickste Nerv unseres Körpers. Bei manchen Menschen verläuft er sogar durch den Muskel hindurch.

Ist der Piriformis-Muskel verspannt, verkürzt oder gereizt, kann er Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Dadurch entstehen Schmerzen, die oft typisch ins Bein ausstrahlen.


Typische Symptome

Ein Piriformis-Syndrom kann sich auf unterschiedliche Weise äußern:

  • Schmerzen tief im Gesäß
  • Ausstrahlung in die Rückseite des Oberschenkels bis hin zur Wade oder zum Fuß
  • brennende oder stechende Schmerzen
  • Beschwerden beim Sitzen, Gehen oder Treppensteigen
  • teilweise Taubheitsgefühl im Gesäß oder Bein

Die Beschwerden treten häufig einseitig auf und können sich bei Belastung verstärken.


Ursachen des Piriformis-Syndroms

Die Gründe für eine Reizung des Piriformis-Muskels sind vielfältig:

  • langes Sitzen (z. B. im Büro oder Auto)
  • Überlastung durch Sport (z. B. Laufen)
  • Fehlhaltungen oder muskuläre Dysbalancen
  • unzureichendes Aufwärmen vor dem Training
  • Zu schwache oder verspannte Muskulatur
  • Verletzungen im Bereich Hüfte oder Gesäß
  • seltene anatomische Besonderheiten

Das können Sie selbst tun

  • vermeiden Sie vorübergehend belastende Aktivitäten (z. B. langes Sitzen, schweres Heben)
  • nutzen Sie Wärme oder Kälte – je nachdem, was Ihnen guttut
  • führen Sie gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen durch
  • bleiben Sie in Bewegung, aber vermeiden Sie Überlastung

Schmerzmittel können kurzfristig helfen, sollten jedoch nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.


Warum Bewegung so wichtig ist

Auch wenn es zunächst widersprüchlich klingt: Schonung ist meist nicht die beste Lösung. Zu wenig Bewegung kann die Beschwerden sogar verstärken, da Muskulatur abbaut und Fehlhaltungen entstehen.

Gezielte Bewegung hilft:

  • Verspannungen zu lösen
  • die Muskulatur zu kräftigen
  • die Körperhaltung zu verbessern

Wie wir Sie in der Physiotherapie unterstützen

Wir kombinieren verschiedene Ansätze:

  • Manuelle Therapie: Lösen von Verspannungen und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
  • Dehnübungen: Spezifische Übungen für den Piriformis-Muskel
  • Kräftigung: Stabilisation der Hüft- und Rumpfmuskulatur
  • Haltungsschulung: Vermeidung von Fehlbelastungen im Alltag
  • Wärme- oder Triggerpunktbehandlung: Zur Schmerzlinderung

Unser Ziel ist es, nicht nur Ihre Schmerzen zu lindern, sondern auch die Ursache nachhaltig zu behandeln.


Unser Tipp für den Alltag

  • Vermeiden Sie langes Sitzen – stehen Sie regelmäßig auf
  • Achten Sie auf eine gute Körperhaltung
  • Wärmen Sie sich vor dem Sport ausreichend auf
  • Dehnen Sie die beanspruchte Muskulatur regelmäßig

Unspezifische Nackenschmerzen

Nackenschmerzen verstehen – was wirklich hilft

Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn es im Nacken zieht oder schmerzt. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Wie häufig sind Nackenschmerzen?

Bis zu 70 % der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Nackenschmerzen. Aktuell betroffen sind etwa 10–20 % der Bevölkerung.
Sie sind also definitiv nicht allein mit diesem Problem.


Nackenschmerz ist nicht gleich Nackenschmerz

Auch wenn sich Schmerzen oft ähnlich anfühlen, gibt es unterschiedliche Ursachen:

  • ca. 90 %: unspezifische Nackenschmerzen (ohne klare strukturelle Schädigung)
  • ca. 8–9 %: mit neurologischen Symptomen (z. B. Taubheit, Schwäche)
  • 1–2 %: ernsthafte Ursachen (z. B. Frakturen, Tumoren)

Wichtig: Die meisten Nackenschmerzen sind harmlos.


Gute Prognose

Akute Nackenschmerzen verbessern sich häufig innerhalb von ein bis zwei Monaten deutlich.
Leichte Beschwerden oder ein Wiederauftreten sind möglich, aber meist gut behandelbar.

Ihr Nacken ist belastbarer, als Sie denken

Der menschliche Nacken ist sehr robust. Selbst unter hoher Belastung hält er viel aus.
Schmerz bedeutet also nicht automatisch „Schaden“.


Was zeigen MRT & Co. wirklich?

Bildgebende Verfahren wie MRT zeigen oft Veränderungen – auch bei Menschen ohne Beschwerden:

  • Viele beschwerdefreie Menschen haben z. B. Bandscheibenveränderungen
  • Menschen mit Schmerzen zeigen oft ähnliche Befunde wie schmerzfreie Personen

Fazit: Veränderungen im Bild sind nicht automatisch die Ursache für Schmerzen.

Stress und Psyche spielen eine große Rolle

Nackenschmerzen treten häufig auf, wenn wir:

  • gestresst sind
  • uns angespannt fühlen
  • Probleme im Alltag haben (z. B. Arbeit, Familie)

Der Körper reagiert auf Belastung – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.

Schmerz ist eine Schutzreaktion

Schmerz entsteht, wenn das Nervensystem eine Situation als „bedrohlich“ bewertet.
Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • körperliche Belastung
  • Stress
  • Schlaf
  • allgemeines Wohlbefinden

Schmerz ist also komplex – nicht nur „mechanisch“ erklärbar.

sinnvolle Maßnahmen

  • Bewegung und Training (besonders Schulter- und Nackenmuskulatur)
  • Aufklärung und Verständnis über die Beschwerden
  • aktive Therapie statt passiver Maßnahmen

Eine Kombination aus Beratung und Übungstherapie bildet die Grundlage moderner Physiotherapie.

 weniger hilfreich

Viele rein passive Behandlungen zeigen langfristig wenig Nutzen, z. B.:

  • Lasertherapie
  • Elektrotherapie
  • Traktion
  • isolierte Nadelbehandlungen

Bewegung ist der Schlüssel – auch bei Verspannungen

Selbst bei „verspannten“ Muskeln ist Training sinnvoll:

  • Muskeln werden belastbarer
  • Schmerzen nehmen oft ab
  • Spannung reduziert sich langfristig

Ein verspannter Muskel ist häufig kein „zu starker“, sondern ein überforderter Muskel.


Was Sie konkret tun können

  • Bleiben Sie in Bewegung – auch im Alltag
  • Variieren Sie Ihre Haltung regelmäßig
  • Reduzieren Sie Stress, wo möglich
  • Beginnen Sie mit gezielten Übungen
  • Lassen Sie sich individuell beraten

Unser Fazit

Nackenschmerzen sind häufig, aber meist harmlos und gut behandelbar.
Der wichtigste Schritt ist, aktiv zu werden – mit Bewegung, Verständnis und gezielter Therapie.

Arthrose

Arthrose verstehen:
Warum „Gelenkverschleiß“ zu kurz gedacht ist

Arthrose gilt als die häufigste Gelenkerkrankung weltweit – allein in Deutschland sind rund fünf Millionen Menschen betroffen. Oft wird sie im Alltag als „Gelenkverschleiß“ bezeichnet. Doch dieser Begriff greift zu kurz und kann sogar zu falschen Annahmen führen.

Denn er vermittelt den Eindruck, dass ein Gelenk durch Belastung immer weiter „abnutzt“. Die Folge: Viele Betroffene vermeiden Bewegung – aus Angst, ihrem Gelenk zu schaden. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall.


Bewegung ist Medizin: „Use it or lose it“

Unsere Gelenke sind darauf angewiesen, regelmäßig bewegt und belastet zu werden. Wird ein Gelenk zu wenig genutzt, baut sich der Knorpel eher ab – ähnlich wie ein Muskel, der nicht trainiert wird.

Studien zeigen:

  • Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für Arthrose.
  • Selbst bei bestehender Arthrose kann Bewegung Schmerzen reduzieren.
  • Moderate Belastung wirkt wie „Nahrung“ für den Knorpel.

Bewegung fördert die Durchblutung, verbessert die Gelenkfunktion und unterstützt den Erhalt gesunder Strukturen.


Das richtige Maß: Mindset und Dosierung

Wichtig ist dabei nicht „mehr ist besser“, sondern die richtige Dosierung. Es geht nicht um Extrembelastungen oder Leistungssport, sondern um regelmäßige, angepasste Bewegung.

Geeignete Aktivitäten sind zum Beispiel:

  • Spazierengehen oder Walken
  • moderates Joggen
  • Krafttraining
  • Alltagsbewegung

Ein positives Mindset spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Wer Bewegung als hilfreich statt schädlich versteht, kann aktiver und selbstbestimmter mit Beschwerden umgehen.

Arthrose gehört zum Älterwerden dazu

Mit zunehmendem Alter verändern sich unsere Gelenke – genau wie unsere Haut. Diese Veränderungen sind normal und nicht automatisch mit Schmerzen verbunden.

Wichtig zu wissen:

  • Das Ausmaß der Gelenkveränderungen im Röntgenbild sagt wenig über die tatsächlichen Beschwerden aus.
  • Manche Menschen haben starke Veränderungen ohne Schmerzen – andere umgekehrt.
  • Schmerzen und Funktionseinschränkungen sind individuell und beeinflussbar.

Schmerz ist komplex

Schmerz entsteht nicht nur im Gelenk. Viele Faktoren spielen eine Rolle, darunter:

  • körperliche Belastung und Muskelkraft
  • Stress und Schlaf
  • persönliche Überzeugungen und Erfahrungen
  • Lebensstil und Umfeld

Deshalb ist Arthrose kein rein mechanisches Problem, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Einflüsse.


Ganzheitlich behandeln statt nur Symptome bekämpfen

Die moderne Therapie der Arthrose setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz:

  • Bewegungstherapie als zentrale Maßnahme
  • Aufklärung und Beratung für ein besseres Verständnis
  • Gewichtsmanagement bei Bedarf
  • individuell angepasstes Training

Studien zeigen sogar, dass gezielte Bewegung langfristig effektiver sein kann als Schmerzmedikamente.

Eine Arthrose bedeutet nicht zwangsläufig eine Operation. In vielen Fällen lässt sich ein Gelenkersatz durch konsequente Therapie vermeiden oder deutlich hinauszögern.


Schmerzverlauf – Warum Rückschritte normal sind

„Es ist wieder schlimmer geworden – war alles umsonst?“

Viele erwarten, dass Schmerzen im Verlauf der Therapie stetig besser werden. Wenn sie zwischendurch wieder zunehmen, wirkt das schnell wie ein Rückschritt.

Doch: Schmerzverläufe sind selten linear. Gute und schlechte Tage gehören ganz normal dazu.


Fortschritt verläuft in Wellen

Entscheidend ist nicht der einzelne Tag, sondern die Entwicklung über Zeit.

Man kann sich den Heilungsverlauf wie eine „Toblerone“ vorstellen:
Auf und Ab wechseln sich ab – insgesamt geht es aber vorwärts.

Mehr Schmerz bedeutet also nicht automatisch, dass etwas „schiefgelaufen“ ist.


Warum Schmerzen wieder stärker werden können

Ein sogenanntes „Flare-Up“ hat oft andere Ursachen als gedacht. Häufig spielen Faktoren eine Rolle wie:

  • Stress

  • schlechter Schlaf

  • langes Sitzen

  • emotionale Belastung

Das bedeutet: Der Schmerz kann steigen, ohne dass etwas kaputt ist.

Was jetzt wichtig ist

Statt in Panik zu geraten, hilft es, die Situation einzuordnen:

  • Was war in letzter Zeit anders?

  • Habe ich mich mehr oder weniger belastet?

  • Wie war mein Schlaf oder Stresslevel?

So werden Schmerzspitzen zu einer Lernchance.


Bewegung bleibt wichtig

Auch bei mehr Schmerzen gilt: Aktivität ist sinnvoll – wenn sie angepasst ist!

Das kann z. B. bedeuten:

  • Übungen anpassen statt pausieren

  • gelenkschonendere Alternativen wählen

  • Belastung dosieren statt vermeiden


Kurz zusammengefasst

  • Schwankungen sind normal

  • schlechte Tage sind kein Rückschritt

  • entscheidend ist die langfristige Entwicklung

  • Schmerz bedeutet nicht automatisch Schaden

  • angepasste Bewegung unterstützt die Heilung

Beckenboden – der Weg zu einer stabilen Körpermitte

Warum Beckenbodenphysiotherapie so wichtig ist

Der Beckenboden spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit – und dennoch wird er häufig übersehen. Als muskuläres Netzwerk am unteren Ende des Rumpfes übernimmt der Beckenboden lebenswichtige Aufgaben: Er unterstützt die Organe im Beckenraum, hilft bei der Kontinenz von Blase und Darm, stabilisiert den Rumpf und beeinflusst sogar unsere Haltung und Atmung.

Der Beckenboden hat einige sehr wichtige Funktionen, um unsere Lebensqualität aufrecht zu erhalten. 

 

Zentrale Funktionen

  • Kontinenzsicherung  (Harn- und Stuhlkontrolle)
  • Stützfunktion  für Blase, Gebärmutter bzw. Prostata und Darm
  • Rumpfstabilisation  (mit Zwerchfell, Rücken & Bauch)
  • Beteiligung an der Atmung
  • Sexuelle Funktion

 

 

 

 

 

 

Mit gezielten Übungen, manueller Therapie, Biofeedback ohne/mit Elektrotherapie und auch Atemtechniken hilft die Beckenboden-Physiotherapie, Beschwerden zu lindern oder ganz zu beseitigen. Dabei steht nicht nur die Behandlung im Vordergrund, sondern auch die Aufklärung. Viele PatientInnen lernen erstmals, wo sich ihr Beckenboden befindet und wie sie ihn bewusst aktivieren können. Das richtige Ansteuern der Beckenbodenmuskulatur bildet die essentielle Grundlage für komplexere Übungen. 

Frühzeitiges Training und Prävention sind besonders wirksam – etwa während und nach der Schwangerschaft, im höheren Alter oder nach Operationen im Beckenraum.

Es ist nie zu spät mit dem Beckenbodentraining zu beginnen. 

Beckenboden-Physiotherapie stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Körperbewusstsein und das Selbstvertrauen. Ein gesunder Beckenboden trägt entscheidend zur Lebensqualität bei.

Typische Bestandteile der Therapie:

  1. Aufklärung und Wahrnehmungsschulung
    Viele Menschen wissen gar nicht genau, wie sie ihren Beckenboden bewusst anspannen oder entspannen können.

  2. Gezielte Kräftigungs- und Entspannungsübungen
    Individuell angepasst an Ihre Beschwerden und Ihren Alltag.

  3. Atem- und Haltungsschulung
    Der Beckenboden arbeitet eng mit Zwerchfell und Bauchmuskulatur zusammen.

  4. Alltagsintegration
    Sie lernen, wie Sie Ihren Beckenboden im Alltag – z. B. beim Heben, Husten oder Sport – richtig einsetzen.

  5. Bei Bedarf: Biofeedback oder unterstützende Techniken
    Moderne Therapieansätze helfen, die Muskelaktivität sichtbar und spürbar zu machen.

Die Behandlung erfolgt stets respektvoll, diskret und in geschützter Atmosphäre.

Wann ist Beckenbodentherapie sinnvoll?

Beckenbodentherapie kann unter anderem helfen bei:

  • Harn- oder Stuhlinkontinenz

  • häufigem Harndrang

  • Senkungsbeschwerden (Blase, Gebärmutter, Darm)

  • Schmerzen im Beckenbereich

  • Beschwerden nach Prostata-Operationen

  • Rückenschmerzen mit instabiler Körpermitte

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Endometriose-Beschwerden

Tennisellenbogen

Tennisellenbogen

Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die beim Greifen, Heben oder Arbeiten am Computer stärker werden? Dann könnte ein sogenannter Tennisellenbogen vorliegen.

Trotz des Namens sind nur selten Tennisspieler betroffen. Medizinisch spricht man von einer Epicondylitis lateralis oder treffender von einer Epicondylopathia humeri radialis – also einer Reizung bzw. Überlastung des Sehnenansatzes an der Außenseite des Ellenbogens.


Typische Symptome

  • Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens

  • Ausstrahlung in den Unterarm

  • Schmerzen beim kräftigen Zugreifen

  • Beschwerden bei Drehbewegungen (z. B. Marmeladeglas öffnen)

  • Druckschmerz am äußeren Ellenbogen


Wer ist betroffen?

Etwa 3–5 % der Menschen zwischen 35 und 55 Jahren entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Tennisellenbogen.

Häufig betroffen sind Personen mit:

  • hoher beruflicher Handbelastung

  • wiederholten Greif- oder Drehbewegungen

  • Rauchen

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes

Entscheidend ist meist ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gewebes.

Wie entsteht ein Tennisellenbogen?

Früher ging man von einer klassischen Entzündung aus. Heute weiß man:
In den meisten Fällen stehen Überlastungs- und Anpassungsprozesse der Sehne im Vordergrund.

Auch das Schmerzsystem kann empfindlicher reagieren.
Wichtig dabei:
Die Stärke der Schmerzen sagt nicht automatisch etwas über das Ausmaß einer strukturellen Schädigung aus.


Wie lange dauert es?

Die gute Nachricht:
Ein Tennisellenbogen ist in den meisten Fällen selbstlimitierend.

  • Rund 90 % der Betroffenen erleben innerhalb eines Jahres eine deutliche Besserung.

  • Häufig halbieren sich Schmerzen und Einschränkungen bereits nach 3–4 Monaten.

  • Bei etwa einem Drittel kann es später noch einmal zu Beschwerden kommen.

Was hilft wirklich?

Ziel der Physiotherapie ist es, Belastung und Belastbarkeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

1. Aktives Training (zentrale Maßnahme)

  • Progressiver Kraftaufbau der Unterarm- und Schultermuskulatur

  • Individuell angepasste Belastungssteigerung

  • Training mit unterschiedlichen Muskelarbeitsformen (z. B. haltend oder dynamisch)

2. Unterstützung bei starken Beschwerden

Kurzfristig können helfen:

  • Kühlung

  • Taping

  • Bandagen

  • manuelle oder physikalische Maßnahmen

Langfristig entscheidend ist jedoch das aktive Training.

Darf Training weh tun?

Ein leichter Schmerz während der Übungen ist oft unproblematisch.

Als Orientierung:
Ein Schmerz bis etwa 5 von 10 kann akzeptabel sein, solange:

  • die Beschwerden am Abend nicht deutlich stärker werden

  • am nächsten Morgen keine deutliche Verschlechterung auftritt

Belastung wird individuell angepasst – nicht komplett vermieden.

„Die verrutschte Bandscheibe“

“Ich habe Bandscheibe!“ – Was Rückenschmerzen wirklich bedeuten

Rückenschmerzen werden häufig vorschnell der Bandscheibe zugeschrieben. Doch die Wissenschaft zeigt:
Nur ein kleiner Teil der Rückenschmerzen entsteht tatsächlich durch Bandscheibenprobleme.
Über 85–90 % gelten als unspezifisch und haben keine eindeutige strukturelle Ursache.


Rückenschmerzen haben viele Ursachen

Heute wissen wir, dass Rückenschmerzen durch verschiedene sogenannte Schmerztreiber beeinflusst werden, z. B.:

  • Stress, psychische Belastungen

  • Unzufriedenheit im Alltag oder Beruf

  • Bewegungsmangel oder schlechter Schlaf

Eine erfolgreiche Behandlung berücksichtigt daher immer mehrere Faktoren – nicht nur die Bandscheibe.


Bandscheiben & Gene

Veränderungen an der Bandscheibe sind häufig genetisch bedingt und deutlich weniger durch „Verschleiß“ oder schwere Arbeit verursacht, als lange angenommen wurde.


Bewegung ist wichtig

Bandscheiben brauchen Bewegung und Belastung, um gesund zu bleiben.
Schonung und Inaktivität wirken sich eher negativ aus. Entscheidend ist eine angepasste, regelmäßige Aktivität, keine Extrembelastung.

Kann eine Bandscheibe verrutschen?

Nein. Bandscheiben können weder verrutschen noch herausspringen.
Selbst ein Bandscheibenvorfall verursacht nicht zwangsläufig Schmerzen – viele Menschen haben ihn völlig beschwerdefrei.


Gute Nachricht

Etwa ⅔ aller Bandscheibenvorfälle bilden sich von selbst zurück.
Eine Besserung der Schmerzen ist auch ohne vollständige Rückbildung möglich.


Wann ist eine OP nötig?

Nur selten. Eine Operation ist meist nur bei schweren neurologischen Ausfällen notwendig.
In den meisten Fällen ist eine aktive, physiotherapeutische Behandlung die beste Wahl.


Merke

  • Bandscheiben sind selten allein schuld an Rückenschmerzen

  • Bewegung ist wichtig – nicht Schonung

  • Bandscheiben können nicht verrutschen

  • Viele Veränderungen sind normal und schmerzfrei

  • Physiotherapie hilft, aktiv und sicher zurück in Bewegung zu kommen

Bildgebung

Muss man Schmerzen immer „auf Bildern sehen“?

Viele PatientInnen wünschen sich bei Rücken-, Schulter- oder Gelenkschmerzen ein MRT oder Röntgenbild, um die Ursache der Beschwerden sichtbar zu machen. Der Gedanke ist nachvollziehbar: Wer weiß, was „kaputt“ ist, weiß doch auch, warum es weh tut – oder?

Die Wissenschaft zeigt jedoch: So einfach ist es meist nicht.


Auffällige Befunde sind oft ganz normal

Veränderungen wie Bandscheibenvorwölbungen, Abnutzungen oder Sehnenveränderungen werden in der Bildgebung sehr häufig gefunden – auch bei Menschen ohne Schmerzen. Studien zeigen, dass ein großer Teil beschwerdefreier Personen auffällige
MRT-Befunde hat, teils schon in jungen Jahren.

Diese Veränderungen sind oft Teil normaler Anpassungs- und Alterungsprozesse und haben für sich allein keinen Krankheitswert.

Woher kommt der Schmerz dann?

Schmerz entsteht selten nur durch ein einzelnes „defektes“ Gewebe. Er ist das Ergebnis vieler Faktoren, z. B.:

  • Belastung und Bewegung im Alltag

  • Stress, Schlaf und Erholung

  • frühere Verletzungen

  • Sorgen, Ängste und Erfahrungen

Gewebeveränderungen sind dabei oft nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes – vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs.


Was bedeutet das für Ihre Therapie?

  • Bildgebung hilft in den meisten Fällen nicht, die Ursache von Rücken- oder Gelenkschmerzen zu finden.

  • Die Behandlung richtet sich in der Regel nicht nach MRT-Befunden, sondern nach Ihren Beschwerden und Ihrer Funktion.

  • Unnötige Bildgebung kann sogar verunsichern und die Genesung verzögern.

Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Bildgebung sinnvoll und notwendig ist – z. B. nach Unfällen oder bei ernsthaften Erkrankungen.


Unser physiotherapeutischer Ansatz

Wir behandeln Menschen, nicht Bilder.
In unserer Praxis schauen wir auf Ihre Bewegung, Belastbarkeit und Ihren Alltag, um gemeinsam eine aktive, individuelle Therapie zu entwickeln – mit dem Ziel, Schmerzen zu reduzieren und Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.

Plantarer Fersenschmerz

Plantarer Fersenschmerz ist eine häufige Ursache für Schmerzen an der Fußsohle. Typischerweise treten die Beschwerden nach Ruhephasen auf, insbesondere bei den ersten Schritten am Morgen. Nach kurzer Bewegung kann es zu einer vorübergehenden Besserung kommen, im Tagesverlauf können die Schmerzen jedoch erneut auftreten. Meist sind sie direkt unter oder an der Innenseite der Ferse lokalisiert.

Die Plantarfaszie

Die Plantarfaszie ist ein kräftiges Bindegewebsband, das vom Fersenbein bis zu den Zehen verläuft. Sie stabilisiert das Fußgewölbe und unterstützt die Stoßdämpfung beim Gehen und Laufen. Besonders der Ansatz der Faszie am Fersenbein ist hohen Belastungen ausgesetzt und daher häufig von Beschwerden betroffen.

Begrifflichkeit und Ursachen

Der häufig verwendete Begriff „Plantarfasziitis“ deutet auf eine Entzündung hin. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass nicht immer eine Entzündungsreaktion vorliegt. Daher wird in der Physiotherapie der Begriff plantarer Fersenschmerz bevorzugt. Ein Fersensporn gilt dabei nicht als direkte Schmerzursache.

Zu den relevanten Risikofaktoren zählen unter anderem eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk, Kraftdefizite der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur, ein erhöhter Body-Mass-Index sowie psychosoziale Faktoren.

Verlauf und Prognose

Plantarer Fersenschmerz ist in der Regel ein langwieriges Beschwerdebild. Die Symptome bilden sich selten kurzfristig zurück, nehmen jedoch in den meisten Fällen im Verlauf deutlich ab. Die Dauer der Beschwerden steht nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit bildgebend festgestellten Veränderungen.

Physiotherapeutische Behandlung

Die physiotherapeutische Behandlung basiert auf einem bewährten Basis-Programm aus gezielten Dehn- und Kräftigungsübungen, Taping sowie ausführlicher Aufklärung. Ergänzende Maßnahmen können bei Bedarf individuell eingesetzt werden. Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die aktive Mitarbeit der PatientInnen, insbesondere die Anpassung von Belastungen und ein gezieltes Training.

Mythos „Die richtige Haltung“

Mythos Haltung: Warum nicht eine Haltung „die Richtige“ ist

Viele Menschen glauben, Rückenschmerzen entstünden durch eine „schlechte“ Haltung – sei es beim Sitzen, Stehen oder Heben. Bilder von perfekt aufrecht sitzenden Menschen und strengen Heberegeln prägen unser Denken. Doch moderne Forschung zeigt: Es gibt nicht die eine gesunde Haltung.

Der Rücken ist robust – nicht zerbrechlich

Unser Rücken ist stabil, belastbar und anpassungsfähig. Er muss nicht ständig „gerade gehalten“ oder besonders geschont werden. Schmerzen entstehen meist nicht, weil wir falsch sitzen oder heben, sondern weil Bewegung fehlt, wir verkrampft sind oder unser Rücken empfindlicher auf Belastungen reagiert.

Variabilität statt Perfektion

Eine starre Haltung – selbst die vermeintlich perfekte – kann auf Dauer eher Beschwerden verstärken. Wer ständig versucht, „richtig“ zu sitzen oder ausschließlich mit „Brust raus, Bauch rein“ zu heben, bewegt sich oft verkrampft und eingeschränkt.
Wichtiger ist: abwechslungsreiche Haltungen, zwischendurch aufstehen, öfter bewegen und beim Heben flexibel bleiben.

Auch die Form der Wirbelsäule („Hohlkreuz“ oder „Rundrücken“) lässt keine Aussagen über das Risiko für Rückenschmerzen zu. Verschiedene Haltungen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile – und alle sind erlaubt.

Locker bleiben – im wahrsten Sinne

Viele Menschen spannen bei Beschwerden unbewusst zu stark an. Das ist ähnlich, als würde man mit einem schmerzenden Handgelenk ständig eine Faust machen – es beruhigt nicht, sondern reizt weiter.
Deshalb gilt: Entspannung und natürliche Bewegung sind hilfreicher als Anspannung und Korrektur.

Heben: Die beste Technik ist die, die zu Ihnen passt

Studien zeigen, dass sowohl gebogene als auch gerade Wirbelsäulen beim Heben sicher sind. Entscheidend ist nicht die Form, sondern Gewöhnung, Kraft und Koordination.
Unter 12 kg spielt die Hebetechnik für die Wirbelsäule kaum eine Rolle. Wichtig ist vielmehr, sich ohne Angst und Verunsicherung zu bewegen.

Was heißt das für Ihren Alltag?

  • Wechseln Sie regelmäßig Ihre Position.

  • Probieren Sie unterschiedliche Sitz-, Steh- und Hebehaltungen aus.

  • Bewegen Sie sich so entspannt wie möglich.

  • Trainieren Sie Kraft und Beweglichkeit – das macht Ihren Rücken belastbarer.

  • Vertrauen Sie Ihrem Körper: Er hält mehr aus, als Sie denken.

Wichtig zu wissen

Schmerzen in einer bestimmten Haltung bedeuten nicht, dass diese Haltung schädlich ist. Häufig spielen Stress, Müdigkeit, Sorgen oder Bewegungsmangel eine große Rolle. Der Rücken reagiert sensibel auf viele Faktoren – weit über die Körperhaltung hinaus.