Fibromyalgie und Bewegung

Warum Krafttraining besonders hilfreich sein kann

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die häufig mit weit verbreiteten Schmerzen, Erschöpfung, Schlafproblemen und einer verminderten körperlichen Belastbarkeit einhergeht. Gerade wenn Bewegung Schmerzen auslöst oder verstärkt, liegt es nahe, körperliche Aktivität eher zu vermeiden.

Doch genau hier zeigt die Forschung etwas Wichtiges: Gezielte und individuell angepasste Bewegung kann ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Fibromyalgie sein.

Welche Bewegung hilft bei Fibromyalgie?

Es gibt verschiedene Trainingsformen, die bei Fibromyalgie eingesetzt werden können – beispielsweise Ausdauertraining, Wassergymnastik, Pilates, Qigong, funktionelles Training oder Krafttraining.

Eine wissenschaftliche Untersuchung hat verschiedene Formen des Bewegungstrainings miteinander verglichen und dabei untersucht, wie gut sie Schmerzen bei Frauen mit Fibromyalgie reduzieren.

Das Ergebnis ist besonders für die physiotherapeutische Praxis interessant: Krafttraining zeigte die überzeugendsten Ergebnisse. Es war die einzige untersuchte Trainingsform, die sowohl kurz- als auch langfristig eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verringerung der Schmerzintensität zeigte.

Kurzfristig schnitt auch Wassergymnastik besonders gut ab. Langfristig zeigten neben Krafttraining unter anderem Tanz und funktionelles Training positive Ergebnisse.

Warum Krafttraining?

Bei Fibromyalgie geht es beim Krafttraining nicht darum, möglichst schwere Gewichte zu bewegen oder bis an die persönliche Leistungsgrenze zu trainieren.

Vielmehr wird die Muskulatur kontrolliert, schrittweise und entsprechend der individuellen Belastbarkeit gefordert. Das Training kann dabei helfen, Kraft und körperliche Belastbarkeit aufzubauen und alltägliche Bewegungen wieder leichter zu bewältigen.

Besonders wichtig ist die richtige Dosierung. Ein Training, das für eine Person passend ist, kann für eine andere bereits zu intensiv sein. Beschwerden, bisherige Aktivität, persönliche Ziele und auch die Tagesform sollten deshalb berücksichtigt werden.

Bewegung trotz Schmerzen?

Viele Menschen mit Fibromyalgie kennen die Sorge, dass Bewegung ihre Beschwerden verschlimmern könnte. Deshalb ist ein vorsichtiger Einstieg sinnvoll.

Das Ziel besteht nicht darin, Schmerzen zu ignorieren oder sich „durchzubeißen“. Stattdessen wird die Belastung so gewählt, dass der Körper Zeit bekommt, sich daran anzupassen. Regelmäßigkeit und eine schrittweise Steigerung sind meist wichtiger als eine hohe Trainingsintensität.

Auch muss nicht jede Patientin dieselbe Trainingsform wählen. Wer beispielsweise gerne im Wasser trainiert oder mit einer anderen Bewegungsform besser zurechtkommt, kann ebenfalls davon profitieren. Ein Training, das langfristig regelmäßig durchgeführt wird, sollte immer auch zu den persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben passen.

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Die aktuellen Erkenntnisse sprechen dafür, aktive Therapie bei Fibromyalgie gezielt einzusetzen. Besonders progressives, individuell dosiertes Krafttraining kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

In der Physiotherapie können wir gemeinsam herausfinden,

  • welche Übungen zu Ihrer aktuellen Belastbarkeit passen,
  • mit welcher Intensität Sie beginnen sollten,
  • wie Sie das Training schrittweise steigern können,
  • wie Sie auf schwankende Beschwerden reagieren können und
  • welche Bewegungsform sich langfristig gut in Ihren Alltag integrieren lässt.

Unser Fazit

Bewegung ist bei Fibromyalgie nicht nur möglich, sondern kann Teil einer wirksamen Behandlung sein. Die untersuchten Trainingsformen zeigen unterschiedliche positive Effekte. Besonders gute und über kurz- und langfristige Zeiträume konsistente Ergebnisse wurden für Krafttraining gefunden.

Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viel oder möglichst intensiv zu trainieren. Entscheidend ist ein individuell angepasstes Training, das regelmäßig durchgeführt und schrittweise aufgebaut wird.

Physiotherapie kann dabei helfen, einen sicheren Einstieg zu finden und aus Bewegung eine langfristige Strategie im Umgang mit Fibromyalgie zu machen.