Bandscheibe und Bewegung

Bewegung und Bandscheiben

Was tut unserem Rücken gut?

Wer Rückenschmerzen hat, kennt vielleicht den Gedanken: „Sind meine Bandscheiben abgenutzt – und sollte ich meinen Rücken deshalb lieber schonen?“

Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Bandscheiben sind keine passiven „Stoßdämpfer“, die durch Bewegung einfach immer weiter verschleißen. Sie sind lebendes Gewebe und reagieren auf Belastung.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit 39 Studien und insgesamt 4.152 TeilnehmerInnen hat untersucht, wie körperliche Aktivität mit dem Zustand der Bandscheiben zusammenhängt. Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise darauf, welche Rolle Bewegung für unsere Bandscheiben spielen könnte.

Bandscheiben brauchen Bewegung

Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern und ermöglichen es unserer Wirbelsäule, Belastungen aufzunehmen und gleichzeitig beweglich zu bleiben.

Ein wichtiger Bestandteil der Bandscheiben ist Wasser. Der Wechsel zwischen Be- und Entlastung unterstützt den Flüssigkeits- und Stofftransport im Gewebe. Vereinfacht kann man sich das wie einen Pumpmechanismus vorstellen.

Bewegung ist für die Bandscheiben deshalb nicht grundsätzlich etwas Schädliches. Im Gegenteil: Eine angemessene Belastung könnte dazu beitragen, ihre Struktur und Funktion zu erhalten.

Welche Bewegung ist gut für die Bandscheiben?

Die Studien zeigen insgesamt kleine positive Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und bestimmten Merkmalen gesunder Bandscheiben. Besonders interessant waren aufrechte, wiederkehrende Bewegungen wie Gehen und Laufen.

Auch bei aeroben Aktivitäten wie Laufen, Schwimmen oder Rudern fanden sich Hinweise auf positive Effekte. Die Ergebnisse waren hier allerdings weniger eindeutig.

Wichtig ist: Daraus können wir noch keine bestimmte Sportart als „bestes Bandscheibentraining“ ableiten. Viele der untersuchten Studien waren Beobachtungsstudien. Sie können Zusammenhänge zeigen, aber nicht sicher beweisen, dass die Bewegung selbst die Ursache für gesündere Bandscheiben war.

Ist mehr Belastung automatisch besser?

Nein. Eine höhere Trainingsbelastung war in den untersuchten Studien nicht automatisch mit besseren Bandscheibenwerten verbunden. Auch für sehr intensive oder explosive Belastungen zeigte sich kein eindeutiger zusätzlicher Nutzen.

Das spricht dafür, Bewegung regelmäßig und passend zur eigenen Belastbarkeit zu dosieren, anstatt nach dem Prinzip „viel hilft viel“ vorzugehen.

Gerade bei Rückenschmerzen kann es sinnvoll sein, mit gut verträglichen Aktivitäten zu beginnen und die Belastung anschließend schrittweise zu steigern.

Bedeutet eine veränderte Bandscheibe automatisch Rückenschmerzen?

Nein. Veränderungen an Bandscheiben können mit Rückenschmerzen zusammenhängen, erklären die Beschwerden aber nicht automatisch.

Schmerzen werden von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören neben körperlichen Strukturen beispielsweise die allgemeine Belastbarkeit, Schlaf, Stress und weitere biologische und psychosoziale Faktoren.

Ein MRT-Befund sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Beschwerden, körperlicher Untersuchung, Belastbarkeit und – wenn notwendig – bildgebenden Befunden.

Was bedeutet das für Sie?

Die wichtigste Botschaft lautet: Unsere Bandscheiben müssen nicht vor Bewegung geschützt werden.

Regelmäßige und angemessen dosierte körperliche Aktivität scheint eher mit günstigen Eigenschaften der Bandscheiben verbunden zu sein. Besonders für aufrechte, zyklische Bewegungen wie Gehen und Laufen gibt es positive Hinweise.

Gleichzeitig gilt: Es gibt derzeit keine wissenschaftlich eindeutig bestimmte optimale Sportart oder Trainingsdosis für die Bandscheibe. Mehr und intensiver ist nicht automatisch besser.

Fazit

Bewegung statt Angst vor Belastung: Bandscheiben sind anpassungsfähiges Gewebe und körperliche Aktivität ist grundsätzlich erwünscht. Bei Rückenschmerzen geht es daher häufig nicht darum, den Rücken möglichst zu schonen, sondern eine passende Belastung zu finden und diese schrittweise aufzubauen.

Meniskusläsionen bei jungen Erwachsenen

Meniskusriss: Operation oder Physiotherapie – was sagt die aktuelle Forschung?

Ein Meniskusriss im Knie wird häufig mit einer Operation in Verbindung gebracht. Doch gerade bei jüngeren Erwachsenen stellt sich zunehmend die Frage: Muss ein Meniskusriss tatsächlich früh operiert werden – oder kann eine gezielte Physiotherapie genauso gute Ergebnisse erzielen?

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine Operation nicht automatisch die bessere Wahl ist. Eine neue Analyse liefert nun weitere Hinweise darauf, welche Faktoren bei der individuellen Therapieentscheidung eine Rolle spielen könnten.

Physiotherapie kann eine sinnvolle erste Behandlungsoption sein

In der sogenannten DREAM-Studie wurden 121 Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren mit einem im MRT bestätigten Meniskusriss untersucht. Ein Teil der TeilnehmerInnen wurde früh operiert, die andere Gruppe erhielt ein strukturiertes Trainingsprogramm kombiniert mit Patientenedukation.

Nach zwölf Monaten zeigte sich insgesamt kein eindeutiger Vorteil einer frühen Operation gegenüber der nicht-operativen Behandlung.

Das passt zu bisherigen Untersuchungen: Bei vielen jüngeren Menschen mit Meniskusriss kann es sinnvoll sein, zunächst mit einer gezielten Trainingstherapie zu beginnen und den weiteren Verlauf abzuwarten.

Wichtig dabei: „Nicht operieren“ bedeutet nicht „nichts tun“. Eine konservative Behandlung beinhaltet unter anderem einen systematischen Belastungsaufbau, Krafttraining sowie die schrittweise Rückkehr zu Alltag, Arbeit und Sport.

Spielt die Art des Meniskusrisses eine Rolle?

Eine naheliegende Vermutung wäre, dass bestimmte Rissformen grundsätzlich eher operiert werden sollten. Genau das untersuchten die Forschenden.

Dabei wurden unter anderem einfache und komplexere Meniskusrisse miteinander verglichen. Überraschenderweise zeigte sich kein überzeugender Hinweis darauf, dass Menschen mit komplexeren Rissen stärker von einer frühen Operation profitierten.

Auch die Frage, ob der Innen- oder Außenmeniskus betroffen war, erlaubte keine zuverlässige Vorhersage, welche Behandlung erfolgreicher sein würde.

Für PatientInnen ist das eine wichtige Information: Das Aussehen eines Meniskusrisses im MRT allein entscheidet nicht darüber, welche Therapie die richtige ist.

Ein interessanter Hinweis: Flüssigkeit und Entzündungszeichen im Knie

Ein anderes MRT-Merkmal lieferte dagegen einen interessanten Hinweis.

PatientInnen, bei denen ein Kniegelenkerguss oder Zeichen einer Synovitis – also einer Reizung bzw. Entzündung der Gelenkinnenhaut – vorhanden waren, erzielten in dieser Analyse nach einer frühen Operation tendenziell bessere Ergebnisse als mit der Trainingstherapie.

Der Unterschied lag bei rund 11 Punkten auf der verwendeten Kniefunktionsskala und war damit klinisch relevant. Statistisch war das Ergebnis allerdings nicht eindeutig abgesichert.

Deshalb bedeutet ein Knieerguss keineswegs automatisch, dass operiert werden sollte. Das Ergebnis ist vielmehr ein Hinweis, der in weiteren Studien überprüft werden muss.

Was bedeutet das für PatientInnen mit Meniskusriss?

Die Studie unterstützt einen wichtigen Grundsatz moderner Behandlung: Nicht das MRT allein behandeln, sondern den Menschen und seine Beschwerden.

Für die Therapieentscheidung sollten verschiedene Faktoren gemeinsam betrachtet werden:

  • Welche Beschwerden bestehen und wie stark schränken sie ein?
  • Wie verhält sich das Knie unter Belastung?
  • Gibt es Schwellung oder einen wiederkehrenden Gelenkerguss?
  • Welche körperlichen Anforderungen bestehen in Beruf und Sport?
  • Wie entwickelt sich das Knie unter einer gezielten Trainingstherapie?
  • Welche persönlichen Ziele und Präferenzen hat die Patientin oder der Patient?

Gerade die Form und Lokalisation eines Meniskusrisses scheinen nach den vorliegenden Ergebnissen allein keine ausreichenden Gründe für eine frühe Operation zu sein.

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Für viele junge Erwachsene mit Meniskusriss bleibt eine strukturierte Trainingstherapie eine sinnvolle erste Behandlungsstrategie.

Ziel der Physiotherapie ist dabei nicht, einen MRT-Befund „wegzutrainieren“. Entscheidend ist vielmehr, die Belastbarkeit und Funktion des Knies zu verbessern. Je nach Ausgangssituation können beispielsweise Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Belastungstoleranz schrittweise aufgebaut werden.

Gleichzeitig sollte der Verlauf regelmäßig beurteilt werden. Bleiben deutliche Beschwerden bestehen oder treten besondere klinische Faktoren auf, kann gemeinsam mit ÄrztInnen neu bewertet werden, ob weitere diagnostische oder operative Maßnahmen sinnvoll sind.

Fazit

Ein Meniskusriss im MRT bedeutet nicht automatisch Operation. Bei vielen jüngeren PatientInnen ist eine gezielte Trainingstherapie eine gut begründete erste Behandlungsoption.

Die aktuelle Forschung zeigt außerdem, dass weder ein komplexer Meniskusriss noch die Lage am Innen- oder Außenmeniskus allein zuverlässig vorhersagen, ob eine frühe Operation bessere Ergebnisse bringt.

Hinweise auf einen Gelenkerguss oder eine Synovitis könnten möglicherweise für die Therapieentscheidung relevant sein. Dafür ist die bisherige Datenlage jedoch noch nicht ausreichend, um daraus eine allgemeine Empfehlung für eine Operation abzuleiten.

Die Therapieentscheidung sollte deshalb individuell getroffen werden – auf Grundlage der Beschwerden, der körperlichen Funktion, des Verlaufs und der persönlichen Ziele und nicht allein anhand des MRT-Bildes.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder physiotherapeutische Untersuchung und Beratung.

Krafttraining bei Fibromyalgie?

Fibromyalgie und Bewegung

Warum Krafttraining besonders hilfreich sein kann

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die häufig mit weit verbreiteten Schmerzen, Erschöpfung, Schlafproblemen und einer verminderten körperlichen Belastbarkeit einhergeht. Gerade wenn Bewegung Schmerzen auslöst oder verstärkt, liegt es nahe, körperliche Aktivität eher zu vermeiden.

Doch genau hier zeigt die Forschung etwas Wichtiges: Gezielte und individuell angepasste Bewegung kann ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Fibromyalgie sein.

Welche Bewegung hilft bei Fibromyalgie?

Es gibt verschiedene Trainingsformen, die bei Fibromyalgie eingesetzt werden können – beispielsweise Ausdauertraining, Wassergymnastik, Pilates, Qigong, funktionelles Training oder Krafttraining.

Eine wissenschaftliche Untersuchung hat verschiedene Formen des Bewegungstrainings miteinander verglichen und dabei untersucht, wie gut sie Schmerzen bei Frauen mit Fibromyalgie reduzieren.

Das Ergebnis ist besonders für die physiotherapeutische Praxis interessant: Krafttraining zeigte die überzeugendsten Ergebnisse. Es war die einzige untersuchte Trainingsform, die sowohl kurz- als auch langfristig eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verringerung der Schmerzintensität zeigte.

Kurzfristig schnitt auch Wassergymnastik besonders gut ab. Langfristig zeigten neben Krafttraining unter anderem Tanz und funktionelles Training positive Ergebnisse.

Warum Krafttraining?

Bei Fibromyalgie geht es beim Krafttraining nicht darum, möglichst schwere Gewichte zu bewegen oder bis an die persönliche Leistungsgrenze zu trainieren.

Vielmehr wird die Muskulatur kontrolliert, schrittweise und entsprechend der individuellen Belastbarkeit gefordert. Das Training kann dabei helfen, Kraft und körperliche Belastbarkeit aufzubauen und alltägliche Bewegungen wieder leichter zu bewältigen.

Besonders wichtig ist die richtige Dosierung. Ein Training, das für eine Person passend ist, kann für eine andere bereits zu intensiv sein. Beschwerden, bisherige Aktivität, persönliche Ziele und auch die Tagesform sollten deshalb berücksichtigt werden.

Bewegung trotz Schmerzen?

Viele Menschen mit Fibromyalgie kennen die Sorge, dass Bewegung ihre Beschwerden verschlimmern könnte. Deshalb ist ein vorsichtiger Einstieg sinnvoll.

Das Ziel besteht nicht darin, Schmerzen zu ignorieren oder sich „durchzubeißen“. Stattdessen wird die Belastung so gewählt, dass der Körper Zeit bekommt, sich daran anzupassen. Regelmäßigkeit und eine schrittweise Steigerung sind meist wichtiger als eine hohe Trainingsintensität.

Auch muss nicht jede Patientin dieselbe Trainingsform wählen. Wer beispielsweise gerne im Wasser trainiert oder mit einer anderen Bewegungsform besser zurechtkommt, kann ebenfalls davon profitieren. Ein Training, das langfristig regelmäßig durchgeführt wird, sollte immer auch zu den persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben passen.

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Die aktuellen Erkenntnisse sprechen dafür, aktive Therapie bei Fibromyalgie gezielt einzusetzen. Besonders progressives, individuell dosiertes Krafttraining kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

In der Physiotherapie können wir gemeinsam herausfinden,

  • welche Übungen zu Ihrer aktuellen Belastbarkeit passen,
  • mit welcher Intensität Sie beginnen sollten,
  • wie Sie das Training schrittweise steigern können,
  • wie Sie auf schwankende Beschwerden reagieren können und
  • welche Bewegungsform sich langfristig gut in Ihren Alltag integrieren lässt.

Unser Fazit

Bewegung ist bei Fibromyalgie nicht nur möglich, sondern kann Teil einer wirksamen Behandlung sein. Die untersuchten Trainingsformen zeigen unterschiedliche positive Effekte. Besonders gute und über kurz- und langfristige Zeiträume konsistente Ergebnisse wurden für Krafttraining gefunden.

Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viel oder möglichst intensiv zu trainieren. Entscheidend ist ein individuell angepasstes Training, das regelmäßig durchgeführt und schrittweise aufgebaut wird.

Physiotherapie kann dabei helfen, einen sicheren Einstieg zu finden und aus Bewegung eine langfristige Strategie im Umgang mit Fibromyalgie zu machen.

Training bei Osteoporose

Osteoporose: Warum Bewegung einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung ist

Viele Menschen verbinden Osteoporose mit brüchigen Knochen und der Angst vor Stürzen oder Frakturen. Häufig führt diese Sorge dazu, dass Betroffene sich weniger bewegen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Gezieltes Training gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um die Knochengesundheit zu erhalten, das Sturzrisiko zu senken und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was Osteoporose ist, warum Bewegung so wichtig ist und wie ein sicheres und effektives Training aussehen sollte.


Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochendichte abnimmt und sich die innere Struktur des Knochens verändert. Dadurch werden die Knochen instabiler und das Risiko für Knochenbrüche steigt – teilweise bereits nach kleinen Stürzen oder alltäglichen Belastungen.

Eine Vorstufe wird als Osteopenie bezeichnet. Ob eine Osteoporose vorliegt, wird meist mithilfe einer Knochendichtemessung (DEXA/DXA) festgestellt. Dabei dient der sogenannte T-Score als Vergleichswert:

  • ab -1,0: normale Knochendichte
  • zwischen -1,0 und -2,5: Osteopenie
  • ab -2,5: Osteoporose

Wie entsteht Osteoporose?

Die Ursachen sind vielfältig. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • höheres Lebensalter
  • hormonelle Veränderungen (z. B. nach den Wechseljahren)
  • Vitamin-D- oder Kalziummangel
  • Untergewicht
  • Bewegungsmangel
  • bestimmte Medikamente (z. B. langfristige Kortisontherapie)

Im Knochen findet lebenslang ein ständiger Umbau statt. Bei Osteoporose gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance: Es wird mehr Knochen abgebaut als neu aufgebaut.


Warum ist Bewegung so wichtig?

Knochen sind lebendiges Gewebe und reagieren auf Belastung. Wird ein Knochen regelmäßig ausreichend beansprucht, erhält er das Signal, sich anzupassen und stabiler zu werden.

Dabei wirken zwei Mechanismen:

  • Belastung durch Körpergewicht und Bodenreaktionskräfte
  • Muskelzug auf den Knochen, wenn Muskeln aktiv arbeiten

Regelmäßiges Training kann dadurch:

  • den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen,
  • den Knochenaufbau fördern,
  • Muskelkraft verbessern,
  • Gleichgewicht und Koordination steigern,
  • das Sturzrisiko reduzieren,
  • die Selbstständigkeit im Alltag erhalten.

Wichtig ist jedoch: Der Knochen passt sich nur an neue und ausreichend intensive Belastungen an. Werden immer dieselben Übungen mit derselben Intensität durchgeführt, nimmt der Trainingseffekt mit der Zeit ab. Deshalb sollte das Training regelmäßig angepasst und gesteigert werden.

Welche Ziele verfolgt das Training?

Ein gutes Osteoporose-Training verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig:

  • Verbesserung oder Erhalt der Knochenfestigkeit
  • Aufbau von Muskelkraft
  • Verbesserung von Gleichgewicht und Koordination
  • Verringerung des Sturzrisikos
  • Erhalt der Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag

Welche Schwerpunkte gesetzt werden, hängt vom individuellen Krankheitsstadium ab. Während bei einer Osteopenie vor allem der Erhalt der Knochendichte im Vordergrund steht, spielt bei einer fortgeschrittenen Osteoporose zusätzlich die Sturzprävention eine entscheidende Rolle.


Ist Training bei Osteoporose sicher?

Ja. Gut angeleitetes Training gilt als sicher und ist ausdrücklich empfehlenswert.

Viele Betroffene vermeiden Belastungen aus Angst vor Knochenbrüchen. Studien zeigen jedoch, dass Menschen, die regelmäßig trainieren, nicht häufiger, sondern eher seltener Frakturen erleiden.

Entscheidend ist, dass das Training:

  • an die individuelle Knochendichte angepasst wird,
  • bestehende Frakturen berücksichtigt,
  • schrittweise aufgebaut wird,
  • unter fachlicher Anleitung begonnen wird.

Nach einer frischen Fraktur kann zunächst eine Schonphase notwendig sein. Langfristig ist Bewegung jedoch deutlich sinnvoller als dauerhafte Inaktivität.


Wie sollte das Training aussehen?

1. Progressives Krafttraining

Krafttraining bildet die Grundlage der Bewegungstherapie bei Osteoporose.

Empfohlen werden:

  • 2–3 Trainingseinheiten pro Woche
  • Übungen für große Muskelgruppen
  • freie Übungen und funktionelle Bewegungen (z. B. Kniebeugen, Heben, Zug- und Druckbewegungen)
  • eine Intensität, bei der etwa 8–12 Wiederholungen möglich sind
  • kontinuierliche Steigerung von Belastung und Trainingsreiz

Dabei muss nicht bis zum Muskelversagen trainiert werden.


2. Stoß- und Impacttraining

Auch gezielte Stoßbelastungen können den Knochenstoffwechsel anregen.

Je nach individuellem Leistungsstand können dazugehören:

  • zügiges Gehen
  • Treppensteigen
  • kleine Sprünge
  • Hüpfen
  • Seilspringen (bei geeigneten Voraussetzungen)

Bei einer ausgeprägten Osteoporose beginnt man mit niedrigeren Belastungen und steigert diese schrittweise.


3. Gleichgewichts- und Sturzprävention

Da viele Frakturen durch Stürze entstehen, gehört Gleichgewichtstraining unbedingt zur Therapie.

Geeignete Inhalte sind beispielsweise:

  • Einbeinstand
  • Gangtraining
  • Balanceübungen
  • funktionelles Krafttraining
  • kontrollierte Richtungswechsel
  • Training sicherer Alltagsbewegungen

Auch Bewegungsformen wie Tai Chi oder Qi Gong können das Gleichgewicht positiv beeinflussen.

Welche Sportarten helfen – und welche weniger?

Nicht jede Aktivität wirkt gleich stark auf die Knochen.

Besonders günstig sind:

  • Krafttraining
  • funktionelles Training
  • Treppensteigen
  • zügiges Gehen
  • Tanzen
  • Sprungtraining (je nach Belastbarkeit)

Gut für Herz und Ausdauer, aber mit geringerem Effekt auf die Knochendichte:

  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Walking

Diese Sportarten bleiben dennoch sinnvoll und können das Training sinnvoll ergänzen.


Fazit

Jeder Mensch mit Osteoporose hat unterschiedliche Voraussetzungen. Alter, Knochendichte, bestehende Frakturen, Schmerzen und körperliche Leistungsfähigkeit sollten bei der Trainingsplanung berücksichtigt werden.

Osteoporose bedeutet nicht, dass Sie sich schonen sollten. Im Gegenteil: Regelmäßiges, gezieltes Training zählt zu den wirksamsten Maßnahmen gegen den fortschreitenden Knochenabbau.

Dazu gehören:

  • eine sichere Bewegungsausführung,
  • den schrittweisen Belastungsaufbau,
  • gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining,
  • alltagsnahe Übungen,
  • langfristige Trainingsstrategien für zu Hause.

So gewinnen Sie Sicherheit, verbessern Ihre körperliche Leistungsfähigkeit und unterstützen aktiv die Gesundheit Ihrer Knochen.

Ein individuell angepasstes Kraft-, Gleichgewichts- und Belastungstraining kann die Knochenfestigkeit unterstützen, das Sturzrisiko senken und Ihnen helfen, möglichst lange aktiv und selbstständig zu bleiben.

Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis: Was hilft wirklich?

Aktuelle Empfehlungen 

Regelmäßige Bewegung gehört heute zu den wichtigsten Bausteinen in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA). Lange galt die Sorge, dass körperliche Belastung entzündete Gelenke zusätzlich schädigen könnte. Heute wissen wir: Das Gegenteil ist der Fall. Gut angepasste Bewegung kann Schmerzen lindern, die körperliche Funktion verbessern und die Lebensqualität steigern.

Neben Medikamenten spielen deshalb Physiotherapie, gezieltes Training und ein aktiver Lebensstil eine zentrale Rolle.

Bewegung ist Medizin

Die aktuellen Empfehlungen des American College of Rheumatology (ACR) sprechen eine starke Empfehlung für regelmäßige körperliche Aktivität aus. Dabei geht es nicht um Höchstleistungen, sondern um ein individuell angepasstes Training.

Besonders empfohlen werden:

  • Ausdauertraining (z. B. Gehen, Radfahren oder Schwimmen)
  • Krafttraining
  • Beweglichkeitstraining
  • Körper-Geist-Training wie Yoga oder Tai Chi

Wichtig ist vor allem die Regelmäßigkeit. Intensität und Trainingsumfang sollten an die aktuelle Krankheitsaktivität, die Beschwerden und die persönlichen Ziele angepasst werden.

Welche Rolle spielt die Physiotherapie?

Physiotherapie kann Menschen mit rheumatoider Arthritis dabei unterstützen,

  • Schmerzen zu reduzieren,
  • die Beweglichkeit zu erhalten,
  • Muskelkraft aufzubauen,
  • die Gelenke im Alltag zu entlasten und
  • Sicherheit im Umgang mit Belastung zu gewinnen.

Dabei gibt es kein Standardprogramm, das für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet ist. Die Behandlung wird individuell auf die betroffenen Gelenke, die Beschwerden und den Alltag abgestimmt.

Je nach Situation können beispielsweise folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

  • aktive Übungsprogramme
  • Kraft- und Funktionstraining
  • Mobilisation eingeschränkter Gelenke
  • Anleitung zu gelenkschonenden Bewegungsstrategien
  • Belastungssteuerung („Pacing“)
  • Übungen für Hände bei Handbeteiligung
  • Beratung zu Schienen oder Hilfsmitteln

Das Ziel ist immer, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und Beschwerden im Alltag zu reduzieren.

Was zeigt die aktuelle Studienlage?

Nicht jede Maßnahme ist gleich gut untersucht. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch ein klares Bild.

Gut belegt sind:

  • regelmäßiges körperliches Training
  • Ausdauertraining
  • Krafttraining
  • Wassertraining
  • Tai Chi und andere sanfte Bewegungsformen

Diese Maßnahmen können die körperliche Funktion verbessern und häufig auch Schmerzen reduzieren.

Bedingt empfohlen werden außerdem:

  • Physiotherapie und Ergotherapie
  • Handtherapie
  • Gelenkschutztechniken
  • Belastungssteuerung
  • Selbstmanagementprogramme
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Wärme- und Kälteanwendungen
  • Massage

Diese Maßnahmen können sinnvoll sein, sollten jedoch individuell ausgewählt werden.

Ernährung: Was ist sinnvoll?

Auch die Ernährung kann die Behandlung unterstützen.

Am besten untersucht ist die mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und Fisch. Sie kann sich positiv auf Schmerzen und die allgemeine Gesundheit auswirken.

Für spezielle Ernährungsformen wie ketogene, glutenfreie oder andere sogenannte „Arthritis-Diäten“ gibt es dagegen derzeit keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.

Auch Nahrungsergänzungsmittel werden nicht grundsätzlich empfohlen. Nur bei nachgewiesenem Mangel oder einer medizinischen Notwendigkeit können sie sinnvoll sein.

Was wird nicht empfohlen?

Einige Behandlungsformen konnten ihren Nutzen bislang nicht ausreichend nachweisen oder bergen unnötige Risiken.

Dazu gehören unter anderem:

  • routinemäßige Elektrotherapie
  • chiropraktische Behandlungen der Wirbelsäule bei rheumatoider Arthritis

Hier überwiegt nach aktueller Studienlage der Nutzen die möglichen Risiken beziehungsweise Kosten nicht.

Rheumatoide Arthritis im höheren Alter

Gerade ältere Menschen profitieren häufig besonders von regelmäßiger Bewegung. Studien zeigen, dass Gehen, Krafttraining und Wassertraining dazu beitragen können,

  • die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern,
  • die Selbstständigkeit zu erhalten,
  • Stürzen vorzubeugen und
  • die allgemeine Gesundheit zu fördern.

Dabei gilt auch hier: Das Training sollte individuell angepasst und schrittweise aufgebaut werden.

Unser Fazit

Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis besteht heute aus weit mehr als Medikamenten. Ein aktiver Lebensstil, individuell angepasstes Training und eine physiotherapeutische Begleitung können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag leichter zu bewältigen.

Frozen Shoulder

Frozen Shoulder: Warum die Schulter „einfriert“ – und warum mehr dahintersteckt

Starke Schmerzen, eine zunehmend steife Schulter und einfache Alltagsbewegungen wie Haare kämmen oder eine Jacke anziehen werden zur Herausforderung? Dahinter könnte eine sogenannte Frozen Shoulder (Schultersteife) stecken. Lange wurde angenommen, dass es sich um eine reine Erkrankung des Schultergelenks handelt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch: Die Frozen Shoulder ist deutlich komplexer.

Was passiert bei einer Frozen Shoulder?

Bei einer Frozen Shoulder entzündet sich zunächst die Gelenkkapsel der Schulter. Im weiteren Verlauf verdickt und verhärtet sich das Gewebe, sodass die Schulter zunehmend an Beweglichkeit verliert. Typisch sind:

  • starke Schmerzen, besonders nachts,
  • eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit,
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen wie Anziehen, Autofahren oder Greifen über Kopf.

Anders als viele vermuten, zeigt sich in Röntgen- oder MRT-Aufnahmen häufig keine eindeutige Ursache.

Wer ist besonders betroffen?

Etwa 2–5 % der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Frozen Shoulder. Das Risiko ist erhöht bei:

  • Menschen zwischen 40 und 65 Jahren,
  • Frauen,
  • Diabetes oder Prädiabetes,
  • Schilddrüsenerkrankungen,
  • Fettstoffwechselstörungen,
  • Übergewicht,
  • Rauchen.

Auch nach Verletzungen oder Operationen an der Schulter kann sich eine Frozen Shoulder entwickeln.

Mehr als nur ein Schulterproblem

Aktuelle Forschung zeigt, dass die Frozen Shoulder nicht nur durch Veränderungen im Schultergelenk entsteht. Vielmehr spielen verschiedene Faktoren zusammen.

Entzündungen im Körper

Zu Beginn der Erkrankung läuft eine Entzündungsreaktion in der Gelenkkapsel ab. Diese führt dazu, dass sich Bindegewebe verändert und schließlich vernarbt. Dadurch wird die Schulter zunehmend steif.

Gleichzeitig scheinen auch stoffwechselbedingte und systemische Entzündungen eine Rolle zu spielen. Deshalb treten Frozen Shoulders häufiger bei Menschen mit Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen auf.

Schmerz verändert das Nervensystem

Anfangs entstehen die Schmerzen hauptsächlich durch die Entzündung im Schultergewebe. Hält der Schmerz jedoch über längere Zeit an, reagiert auch das Nervensystem empfindlicher. Dadurch können Schmerzen stärker wahrgenommen werden, obwohl sich das Gewebe bereits langsam erholt.

Das erklärt, warum manche Betroffene noch Beschwerden haben, obwohl die Schulter wieder beweglicher wird.

Die Psyche beeinflusst den Verlauf

Chronische Schmerzen wirken sich häufig auf die Stimmung aus – und umgekehrt. Schlafprobleme, Sorgen, Frustration oder die Angst vor Bewegung können Schmerzen verstärken und die Genesung erschweren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden „nur psychisch“ sind. Vielmehr beeinflussen Körper, Nervensystem und Psyche sich gegenseitig. Deshalb gehört eine gute Aufklärung über die Erkrankung genauso zur Behandlung wie Bewegung und Training.

Ist eine Frozen Shoulder immer selbstlimitierend?

Oft wird gesagt, eine Frozen Shoulder verschwinde von allein. Tatsächlich bessern sich die Beschwerden bei vielen Menschen im Laufe der Zeit. Allerdings zeigen Studien, dass ein Teil der Betroffenen auch Jahre später noch unter Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen leidet.

Je früher die Beschwerden erkannt und gezielt behandelt werden, desto besser lassen sich Schmerzen reduzieren und die Schulterfunktion erhalten.

Wie kann Physiotherapie helfen?

Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Stadium der Erkrankung. Ziel ist nicht, die Schulter mit Gewalt beweglich zu machen, sondern sie entsprechend ihrer aktuellen Belastbarkeit zu unterstützen.

Dazu gehören unter anderem:

  • verständliche Aufklärung über die Erkrankung,
  • individuell angepasste Bewegungs- und Kräftigungsübungen,
  • Maßnahmen zur Schmerzlinderung,
  • Strategien für den Alltag,
  • Berücksichtigung von Schlaf, Stress und weiteren gesundheitlichen Faktoren.

Gerade weil eine Frozen Shoulder heute als multifaktorielle Erkrankung verstanden wird, betrachtet die moderne Physiotherapie nicht nur die Schulter selbst, sondern den Menschen als Ganzes.

Unser Fazit

Eine Frozen Shoulder ist weit mehr als eine „verklebte Schulter“. Entzündungen, Veränderungen der Gelenkkapsel, Stoffwechsel, Nervensystem und psychosoziale Faktoren können gemeinsam zum Krankheitsbild beitragen. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste physiotherapeutische Behandlung können helfen, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und den Alltag wieder leichter zu bewältigen.

Therapie mit Skoliose

Zeilgerichtete Therapie mit Skoliose

Gezielte Bewegung und Physiotherapie können helfen, eine Verschlechterung der Skoliose zu verhindern. Die Behandlung richtet sich vor allem nach dem sogenannten Cobb-Winkel. Je stärker die Krümmung, desto wichtiger werden eine zusätzliche Korsettversorgung oder in schweren Fällen eine Operation.

Aktuelle Studien zeigen, dass skoliosespezifische Übungen (PSSE), wie z. B. nach Schroth oder SEAS, den Cobb-Winkel, die Rumpfsymmetrie und teilweise auch Rückenschmerzen verbessern können. Besonders wirksam sind sie:

  • bei milden Skoliosen (<20°) als erste Behandlungsoption,
  • ergänzend zur Korsetttherapie bei mittleren Krümmungen (26–45°).

Wichtige Bestandteile in der Physiotherapie sind:

✔ aktive Selbstkorrektur der Haltung
✔ Stabilisation der korrigierten Position
✔ Integration der Korrektur in den Alltag
✔ regelmäßiges, eigenständiges Üben

Für den Therapieerfolg ist nicht die perfekte Einzelübung entscheidend, sondern kontinuierliches Training und eine hohe Therapietreue. Auch allgemeines Core-Training kann sinnvoll sein. Spezifische Skolioseprogramme zeigen jedoch Vorteile bei der Kontrolle der Krümmung.

Skoliose: Welche Übungen helfen wirklich?

Viele Skoliose-Patient:innen fragen sich, welche Übungen die Wirbelsäulenverkrümmung tatsächlich beeinflussen können. Die aktuelle Studienlage zeigt: Regelmäßige Physiotherapie und gezieltes Training können das Fortschreiten der Skoliose verlangsamen und in manchen Fällen den Cobb-Winkel verbessern.

Besonders wirksam sind sogenannte skoliosespezifische Übungen (PSSE), zu denen vor allem die Schroth-Methodeund das SEAS-Konzept (Scientific Exercise Approach to Scoliosis) gehören.

Was zeichnet diese Übungen aus?

Im Mittelpunkt steht die aktive Selbstkorrektur der Wirbelsäule. Dabei lernen Betroffene, ihre Haltung bewusst in drei Ebenen zu korrigieren:

✔ seitliche Krümmung reduzieren
✔ Verdrehung (Rotation) der Wirbelsäule vermindern
✔ die Wirbelsäule aktiv aufrichten und verlängern

Anschließend wird diese korrigierte Haltung durch gezielte Muskelarbeit stabilisiert und in Alltagsbewegungen integriert.

Welche Übungen zeigen positive Effekte?

Studien beschreiben vor allem Vorteile durch:

1. Skoliosespezifische Selbstkorrekturübungen (Schroth / SEAS)

  • aktive Aufrichtung der Wirbelsäule
  • Derotation des Rumpfes
  • Korrektur der Beckenausrichtung
  • bewusstes Halten der korrigierten Haltung während Bewegungen

Diese Übungen zeigen die stärksten Hinweise auf eine Verringerung der Kurvenprogression und Verbesserungen der Rumpfasymmetrie.

2. Core-Stabilisation
Ein kräftiges Muskelkorsett unterstützt die Wirbelsäule und verbessert die Haltungskontrolle.

Übungsbeispiele:

  • Bird Dog
  • Bridging (Brücke)
  • Unterarmstütz (Plank)
  • Seitstütz
  • Multifidus-Aktivierung
  • Kontrollierte Bauchmuskelübungen

3. Mobilisationsübungen
Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Körperwahrnehmung:

  • Beckenkippungen
  • Cat & Cow
  • Rotationsmobilisationen
  • Brustwirbelsäulenmobilisation

4. Gleichgewichts- und Koordinationstraining

  • Einbeinstand
  • Übungen auf instabilen Unterlagen
  • Bewegungsaufgaben mit geschlossenen Augen

Was ist wichtiger: Schroth oder normales Krafttraining?

Interessanterweise zeigen einige Studien, dass gut aufgebautes Core-Training ebenfalls positive Effekte haben kann. Skoliosespezifische Programme scheinen jedoch Vorteile bei:

  • Rumpfrotation
  • Kurvenkontrolle
  • Verhinderung einer Verschlechterung

zu haben.

Deshalb empfehlen aktuelle Leitlinien:
👉 Bei leichter Skoliose (<20°) zunächst spezifische Physiotherapie.
👉 Bei mittleren Krümmungen (26–45°) Physiotherapie zusätzlich zur Korsettversorgung.

Der entscheidende Faktor: Regelmäßigkeit

Die beste Übung bringt wenig, wenn sie nur gelegentlich durchgeführt wird. Studien zeigen, dass der Behandlungserfolg vor allem von der Therapieadhärenz abhängt – also davon, wie konsequent Übungen und gegebenenfalls die Korsetttherapie umgesetzt werden.

Fazit: Die größten positiven Effekte auf die Wirbelsäulenverkrümmung zeigen aktuell skoliosespezifische Übungen wie Schroth oder SEAS. Ergänzend können Core-Training, Mobilisation und Gleichgewichtsübungen die Stabilität, Haltung und Lebensqualität verbessern. Entscheidend ist nicht die einzelne Übung, sondern das regelmäßige und langfristige Training. 

Fazit: Wer seine Skoliose aktiv behandelt und regelmäßig trainiert, kann die Wirbelsäule stabilisieren, das Risiko einer Verschlechterung reduzieren und seine Lebensqualität verbessern. 

Skoliose

Wenn die Wirbelsäule von der Mitte abweicht

Eine Skoliose ist eine dreidimensionale Veränderung der Wirbelsäule. Das bedeutet, dass sich die Wirbelsäule nicht nur seitlich krümmt, sondern sich die Wirbel zusätzlich verdrehen und auch die natürliche Form der Wirbelsäule von der Seite verändert sein kann. Dadurch können Haltung, Beweglichkeit und Belastbarkeit des Körpers beeinflusst werden.

Was ist eine Skoliose?

Von einer Skoliose spricht man, wenn die Wirbelsäule dauerhaft seitlich von ihrer normalen Achse abweicht. Medizinisch wird eine Skoliose ab einem sogenannten Cobb-Winkel von 10° definiert.

Je nach Alter beim Auftreten unterscheidet man:

  • Infantile Skoliose (unter 3 Jahren)
  • Juvenile Skoliose (zwischen 3 und 10 Jahren)
  • Adoleszente Skoliose (zwischen 10 und 18 Jahren)

Die häufigste Form ist die adoleszente idiopathische Skoliose, die vor allem während des Wachstums in der Pubertät auftritt.

Warum entsteht eine Skoliose?

In etwa 80–85 % der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Diese Form wird als idiopathische Skoliose bezeichnet.

Die Entstehung einer Skoliose ist wahrscheinlich das Ergebnis verschiedener Einflussfaktoren. Diskutiert werden unter anderem:

  • genetische Veranlagungen
  • Unterschiede im Wachstum der Wirbelkörper
  • Veränderungen der Muskelsteuerung und Körperwahrnehmung
  • hormonelle und biologische Faktoren

Seltener können angeborene Fehlbildungen oder neurologische beziehungsweise muskuläre Erkrankungen die Ursache sein.

Welche Beschwerden kann eine Skoliose verursachen?

Viele leichte Skoliosen verursachen zunächst keine Beschwerden und werden oft zufällig entdeckt.

Mit zunehmender Ausprägung können jedoch auftreten:

  • sichtbare Haltungsveränderungen
  • Schulter- oder Beckenstandsunterschiede
  • Rippenbuckel oder Lendenwulst
  • Rückenschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • eingeschränkte Belastbarkeit
  • in schweren Fällen Einschränkungen der Atmung

Neben körperlichen Beschwerden können sichtbare Veränderungen der Körperhaltung insbesondere bei Jugendlichen auch das Selbstbewusstsein beeinflussen.

Wie wird eine Skoliose eingeteilt?

Nach der Lage der Krümmung

Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist, unterscheidet man beispielsweise:

  • Halswirbelsäule (zervikal)
  • Brustwirbelsäule (thorakal)
  • Übergang Brust- zu Lendenwirbelsäule (thorakolumbal)
  • Lendenwirbelsäule (lumbal)
  • kombinierte S-förmige Krümmungen

Nach dem Schweregrad

Der Schweregrad wird mithilfe des Cobb-Winkels bestimmt:

  • leichte Skoliose: 10–20°
  • mittlere Skoliose: 20–40°
  • schwere Skoliose: über 40°

Die meisten diagnostizierten Skoliosen liegen im milden Bereich. Ein kleiner Teil entwickelt sich während des Wachstums weiter und kann stärker ausgeprägt werden.

Wer ist betroffen?

Skoliosen kommen bei etwa 2–3 % der Bevölkerung vor.

Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Mit zunehmendem Schweregrad steigt dieser Unterschied deutlich an. Besonders während der Wachstumsphase zwischen dem 11. und 14. Lebensjahr ist das Risiko für eine Verschlechterung der Krümmung erhöht.

Wie verläuft eine Skoliose?

Der Verlauf einer Skoliose ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem ab von:

  • dem Alter bei Diagnosestellung
  • dem verbleibenden Wachstum
  • der Höhe des Cobb-Winkels
  • der Lage der Krümmung
  • dem Geschlecht

Während der Pubertät kann sich eine Skoliose am schnellsten verändern. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen in dieser Lebensphase besonders wichtig.

Wie kann Physiotherapie helfen?

Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung der Skoliose. Ziel ist nicht nur die Verbesserung der Haltung, sondern auch die Förderung von Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und Muskelkontrolle.

Zu den Therapieinhalten gehören:

  • individuelle Haltungsschulung
  • gezielte Kräftigungsübungen
  • Atemübungen
  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Training der Körperwahrnehmung
  • Erlernen eines skoliosegerechten Alltagsverhaltens

Wann sollte eine Physiotherapie begonnen werden?

Eine physiotherapeutische Begleitung kann sinnvoll sein:

  • nach einer ärztlichen Diagnose
  • während des Wachstumsalters
  • bei Haltungsschwächen und Asymmetrien
  • bei Rückenschmerzen
  • zur Unterstützung einer Korsettversorgung
  • nach operativen Eingriffen

Je früher eine Skoliose erkannt und begleitet wird, desto besser können Haltung, Beweglichkeit und Lebensqualität langfristig unterstützt werden.

Wie Bewegungstherapie den Bluthochdruck positiv beeinflusst?

Bluthochdruck: Warum Bewegung oft genauso wirksam ist wie Medikamente

Bluthochdruck (Hypertonie) gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Deutschland und ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen deutlich an. Viele Menschen wissen nicht, dass regelmäßige Bewegung eine der wirksamsten Maßnahmen zur Senkung des Blutdrucks ist – und in vielen Fällen ähnliche Effekte erzielen kann wie blutdrucksenkende Medikamente.

Bewegung als wirksame Therapie

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass gezielte Bewegungstherapie den systolischen Blutdruck deutlich senken kann. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Ergänzung zur medikamentösen Behandlung, sondern um eine eigenständige und oft unterschätzte Therapieform mit großem Potenzial für die Gesundheit.

Die gute Nachricht: Es muss nicht immer Leistungssport sein. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, die richtige Intensität und eine langfristige Integration von Bewegung in den Alltag.

Welche Bewegungsformen sind besonders empfehlenswert?

Ausdauertraining

Ausdauertraining gilt als eine der effektivsten Maßnahmen zur Blutdrucksenkung. Geeignete Aktivitäten sind beispielsweise:

  • Spazierengehen oder Wandern
  • Radfahren
  • Joggen oder Laufen
  • Nordic Walking
  • Schwimmen

Empfohlen werden:

Moderate Intensität

  • 30 Minuten pro Einheit
  • 5 Tage pro Woche

oder

Höhere Intensität

  • 20 Minuten pro Einheit
  • 3 Tage pro Woche

Auch hochintensives Intervalltraining (HIIT) kann unter geeigneten Voraussetzungen und nach fachlicher Beratung eine wirksame Trainingsform sein.

Krafttraining

Neben Ausdauertraining spielt auch Krafttraining eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation. Besonders geeignet sind Übungen für große Muskelgruppen, beispielsweise:

  • Rudern
  • Schulterdrücken
  • Treppensteigen
  • Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
  • Training mit Therabändern

Empfohlen werden:

  • 8–12 Wiederholungen pro Übung
  • 8–10 verschiedene Übungen
  • mindestens 2 Trainingstage pro Woche
  • ausreichende Pausen zwischen den Trainingseinheiten

Isometrisches Training – der unterschätzte Geheimtipp

Eine besonders einfache und effektive Trainingsform zur Senkung des Ruheblutdrucks ist das isometrische Krafttraining. Dabei wird eine Muskelspannung über einen längeren Zeitraum gehalten, ohne dass eine sichtbare Bewegung stattfindet.

Ein bekanntes Beispiel ist das Handgrifftraining mit einem Handkrafttrainer oder Dynamometer. Bereits das Halten von etwa 30 % der maximalen Kraft für mehrere Minuten kann positive Effekte auf den Blutdruck haben.

Worauf sollte man achten?

Vor jedem Training empfiehlt sich ein kurzes Aufwärmen von 5 bis 10 Minuten. Ebenso wichtig ist ein langsames Ausklingen der Belastung am Ende der Einheit. Dadurch kann sich das Herz-Kreislauf-System besser an die Belastung anpassen.

Wer bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt, sollte vor Beginn eines Trainingsprogramms ärztlichen Rat einholen.

Wie wir Sie unterstützen können

In unserer Physiotherapiepraxis entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Bewegungsprogramm, das zu Ihrem Gesundheitszustand, Ihren Zielen und Ihrem Alltag passt. Dabei begleiten wir Sie Schritt für Schritt und zeigen Ihnen sichere und effektive Übungen zur nachhaltigen Blutdrucksenkung.

Unser Ziel: Mehr Bewegung, mehr Lebensqualität und ein gesünderes Herz-Kreislauf-System – ganz ohne Überforderung.

Schulterimpingement

Schulterimpingement: wird wirklich etwas „eingeklemmt“?

Viele Menschen mit Schulterschmerzen hören früher oder später die Diagnose „Schulterimpingement“. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Sehnen oder Schleimbeutel im Schultergelenk „eingeklemmt“ oder „gequetscht“ werden und dadurch Schmerzen entstehen.

Diese Theorie wurde bereits in den 1970er-Jahren populär und führte weltweit zu zahlreichen Operationen, bei denen der Raum unter dem Schulterdach operativ erweitert werden sollte. Doch die moderne Forschung zeichnet heute ein deutlich differenzierteres Bild.


Ist wirklich „zu wenig Platz“ das Problem?

Die Idee klingt zunächst logisch: Wenn Strukturen eingeklemmt werden, müsste mehr Platz automatisch weniger Schmerzen bedeuten.

Studien zeigen jedoch:

  • Menschen mit Schulterschmerzen haben nicht zwangsläufig einen engeren Raum unter dem Schulterdach.
  • Auch beschwerdefreie Menschen zeigen in der Bildgebung häufig Kontakt zwischen Schulterdach und Oberarmkopf.
  • Der klassische „schmerzhafte Bogen“ beim Armheben (zwischen 70-120° im Seitheben) passt oft gar nicht zu dem Bereich, in dem der Abstand am kleinsten wäre (zwischen 40-70° im Seitheben).

Das bedeutet: Schmerzen lassen sich nicht einfach durch „zu wenig Platz“ erklären.


Warum tut die Schulter dann weh?

Heute geht man davon aus, dass Schmerzen häufig eher mit der Belastbarkeit der Sehnen und der Rotatorenmanschette zusammenhängen.

Ähnlich wie bei Beschwerden an der Achillessehne oder beim Tennisellenbogen können Sehnen empfindlicher reagieren, wenn sie überlastet, wenig belastbar oder dekonditioniert sind.

Zusätzlich spielen weitere Faktoren eine Rolle:

  • Bewegungsverhalten
  • Schlafqualität
  • Stress und psychische Belastung
  • allgemeine Gesundheit
  • Angst vor Bewegung

Schmerz ist komplex – und selten nur auf eine einzelne Struktur zurückzuführen.


Was bedeutet das für die Behandlung?

Die gute Nachricht: Eine Operation ist in vielen Fällen nicht die erste oder beste Lösung.

Aktuelle Leitlinien empfehlen zunächst eine aktive Therapie. Ziel ist es, die Schulter wieder belastbarer zu machen und Bewegungen schrittweise aufzubauen.

Dazu gehören unter anderem:

  • gezieltes Training der Rotatorenmanschette
  • Kräftigung der Schultergürtelmuskulatur
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Kontrolle
  • schrittweiser Belastungsaufbau
  • Aufklärung über Schmerzmechanismen

Wichtig ist dabei: Bewegung ist nicht automatisch schädlich. Viele Menschen vermeiden aus Angst vor „Einklemmung“ bestimmte Bewegungen – obwohl genau diese oft hilfreich sein können, wenn sie sinnvoll dosiert werden.

Unser Ansatz in der Physiotherapie

In unserer Praxis betrachten wir Schulterschmerzen ganzheitlich und individuell. Statt ausschließlich nach „eingeklemmten“ Strukturen zu suchen, analysieren wir:

  • Belastung und Alltag
  • Bewegungsmuster
  • Kraft und Funktion
  • Trainingszustand
  • persönliche Ziele und Beschwerden

Gemeinsam entwickeln wir einen aktiven Therapieplan, damit Ihre Schulter wieder belastbar, beweglich und alltagstauglich wird.


Kurz zusammengefasst

  • Die klassische „Einklemmungs-Theorie“ gilt heute als wissenschaftlich umstritten.
  • Schmerzen entstehen meist nicht einfach durch „zu wenig Platz“.
  • Eine aktive Physiotherapie ist häufig wirksamer als Schonung oder vorschnelle Operationen.
  • Bewegung und gezieltes Training spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Schulterschmerzen.