Wie Bewegungstherapie den Bluthochdruck positiv beeinflusst?

Bluthochdruck: Warum Bewegung oft genauso wirksam ist wie Medikamente

Bluthochdruck (Hypertonie) gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Deutschland und ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen deutlich an. Viele Menschen wissen nicht, dass regelmäßige Bewegung eine der wirksamsten Maßnahmen zur Senkung des Blutdrucks ist – und in vielen Fällen ähnliche Effekte erzielen kann wie blutdrucksenkende Medikamente.

Bewegung als wirksame Therapie

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass gezielte Bewegungstherapie den systolischen Blutdruck deutlich senken kann. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Ergänzung zur medikamentösen Behandlung, sondern um eine eigenständige und oft unterschätzte Therapieform mit großem Potenzial für die Gesundheit.

Die gute Nachricht: Es muss nicht immer Leistungssport sein. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, die richtige Intensität und eine langfristige Integration von Bewegung in den Alltag.

Welche Bewegungsformen sind besonders empfehlenswert?

Ausdauertraining

Ausdauertraining gilt als eine der effektivsten Maßnahmen zur Blutdrucksenkung. Geeignete Aktivitäten sind beispielsweise:

  • Spazierengehen oder Wandern
  • Radfahren
  • Joggen oder Laufen
  • Nordic Walking
  • Schwimmen

Empfohlen werden:

Moderate Intensität

  • 30 Minuten pro Einheit
  • 5 Tage pro Woche

oder

Höhere Intensität

  • 20 Minuten pro Einheit
  • 3 Tage pro Woche

Auch hochintensives Intervalltraining (HIIT) kann unter geeigneten Voraussetzungen und nach fachlicher Beratung eine wirksame Trainingsform sein.

Krafttraining

Neben Ausdauertraining spielt auch Krafttraining eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation. Besonders geeignet sind Übungen für große Muskelgruppen, beispielsweise:

  • Rudern
  • Schulterdrücken
  • Treppensteigen
  • Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
  • Training mit Therabändern

Empfohlen werden:

  • 8–12 Wiederholungen pro Übung
  • 8–10 verschiedene Übungen
  • mindestens 2 Trainingstage pro Woche
  • ausreichende Pausen zwischen den Trainingseinheiten

Isometrisches Training – der unterschätzte Geheimtipp

Eine besonders einfache und effektive Trainingsform zur Senkung des Ruheblutdrucks ist das isometrische Krafttraining. Dabei wird eine Muskelspannung über einen längeren Zeitraum gehalten, ohne dass eine sichtbare Bewegung stattfindet.

Ein bekanntes Beispiel ist das Handgrifftraining mit einem Handkrafttrainer oder Dynamometer. Bereits das Halten von etwa 30 % der maximalen Kraft für mehrere Minuten kann positive Effekte auf den Blutdruck haben.

Worauf sollte man achten?

Vor jedem Training empfiehlt sich ein kurzes Aufwärmen von 5 bis 10 Minuten. Ebenso wichtig ist ein langsames Ausklingen der Belastung am Ende der Einheit. Dadurch kann sich das Herz-Kreislauf-System besser an die Belastung anpassen.

Wer bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet oder Medikamente einnimmt, sollte vor Beginn eines Trainingsprogramms ärztlichen Rat einholen.

Wie wir Sie unterstützen können

In unserer Physiotherapiepraxis entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Bewegungsprogramm, das zu Ihrem Gesundheitszustand, Ihren Zielen und Ihrem Alltag passt. Dabei begleiten wir Sie Schritt für Schritt und zeigen Ihnen sichere und effektive Übungen zur nachhaltigen Blutdrucksenkung.

Unser Ziel: Mehr Bewegung, mehr Lebensqualität und ein gesünderes Herz-Kreislauf-System – ganz ohne Überforderung.

Schulterimpingement

Schulterimpingement: wird wirklich etwas „eingeklemmt“?

Viele Menschen mit Schulterschmerzen hören früher oder später die Diagnose „Schulterimpingement“. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Sehnen oder Schleimbeutel im Schultergelenk „eingeklemmt“ oder „gequetscht“ werden und dadurch Schmerzen entstehen.

Diese Theorie wurde bereits in den 1970er-Jahren populär und führte weltweit zu zahlreichen Operationen, bei denen der Raum unter dem Schulterdach operativ erweitert werden sollte. Doch die moderne Forschung zeichnet heute ein deutlich differenzierteres Bild.


Ist wirklich „zu wenig Platz“ das Problem?

Die Idee klingt zunächst logisch: Wenn Strukturen eingeklemmt werden, müsste mehr Platz automatisch weniger Schmerzen bedeuten.

Studien zeigen jedoch:

  • Menschen mit Schulterschmerzen haben nicht zwangsläufig einen engeren Raum unter dem Schulterdach.
  • Auch beschwerdefreie Menschen zeigen in der Bildgebung häufig Kontakt zwischen Schulterdach und Oberarmkopf.
  • Der klassische „schmerzhafte Bogen“ beim Armheben (zwischen 70-120° im Seitheben) passt oft gar nicht zu dem Bereich, in dem der Abstand am kleinsten wäre (zwischen 40-70° im Seitheben).

Das bedeutet: Schmerzen lassen sich nicht einfach durch „zu wenig Platz“ erklären.


Warum tut die Schulter dann weh?

Heute geht man davon aus, dass Schmerzen häufig eher mit der Belastbarkeit der Sehnen und der Rotatorenmanschette zusammenhängen.

Ähnlich wie bei Beschwerden an der Achillessehne oder beim Tennisellenbogen können Sehnen empfindlicher reagieren, wenn sie überlastet, wenig belastbar oder dekonditioniert sind.

Zusätzlich spielen weitere Faktoren eine Rolle:

  • Bewegungsverhalten
  • Schlafqualität
  • Stress und psychische Belastung
  • allgemeine Gesundheit
  • Angst vor Bewegung

Schmerz ist komplex – und selten nur auf eine einzelne Struktur zurückzuführen.


Was bedeutet das für die Behandlung?

Die gute Nachricht: Eine Operation ist in vielen Fällen nicht die erste oder beste Lösung.

Aktuelle Leitlinien empfehlen zunächst eine aktive Therapie. Ziel ist es, die Schulter wieder belastbarer zu machen und Bewegungen schrittweise aufzubauen.

Dazu gehören unter anderem:

  • gezieltes Training der Rotatorenmanschette
  • Kräftigung der Schultergürtelmuskulatur
  • Verbesserung von Beweglichkeit und Kontrolle
  • schrittweiser Belastungsaufbau
  • Aufklärung über Schmerzmechanismen

Wichtig ist dabei: Bewegung ist nicht automatisch schädlich. Viele Menschen vermeiden aus Angst vor „Einklemmung“ bestimmte Bewegungen – obwohl genau diese oft hilfreich sein können, wenn sie sinnvoll dosiert werden.

Unser Ansatz in der Physiotherapie

In unserer Praxis betrachten wir Schulterschmerzen ganzheitlich und individuell. Statt ausschließlich nach „eingeklemmten“ Strukturen zu suchen, analysieren wir:

  • Belastung und Alltag
  • Bewegungsmuster
  • Kraft und Funktion
  • Trainingszustand
  • persönliche Ziele und Beschwerden

Gemeinsam entwickeln wir einen aktiven Therapieplan, damit Ihre Schulter wieder belastbar, beweglich und alltagstauglich wird.


Kurz zusammengefasst

  • Die klassische „Einklemmungs-Theorie“ gilt heute als wissenschaftlich umstritten.
  • Schmerzen entstehen meist nicht einfach durch „zu wenig Platz“.
  • Eine aktive Physiotherapie ist häufig wirksamer als Schonung oder vorschnelle Operationen.
  • Bewegung und gezieltes Training spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Schulterschmerzen.

Piriformis-Syndrom

Piriformis-Syndrom

Schmerzen im Gesäß und Bein 

Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäß, die bis ins Bein ausstrahlen, sind für viele Betroffene sehr belastend. Oft wird dabei sofort an einen Bandscheibenvorfall gedacht. Doch in vielen Fällen steckt eine andere Ursache dahinter: das Piriformis-Syndrom.


Was ist das Piriformis-Syndrom?

Der sogenannte Piriformis-Muskel ist ein kleiner, tief liegender Muskel im Gesäß. Er verbindet das Kreuzbein mit dem Oberschenkel und ist an vielen Bewegungen der Hüfte beteiligt.

Direkt unter diesem Muskel verläuft der Ischiasnerv – der längste und dickste Nerv unseres Körpers. Bei manchen Menschen verläuft er sogar durch den Muskel hindurch.

Ist der Piriformis-Muskel verspannt, verkürzt oder gereizt, kann er Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Dadurch entstehen Schmerzen, die oft typisch ins Bein ausstrahlen.


Typische Symptome

Ein Piriformis-Syndrom kann sich auf unterschiedliche Weise äußern:

  • Schmerzen tief im Gesäß
  • Ausstrahlung in die Rückseite des Oberschenkels bis hin zur Wade oder zum Fuß
  • brennende oder stechende Schmerzen
  • Beschwerden beim Sitzen, Gehen oder Treppensteigen
  • teilweise Taubheitsgefühl im Gesäß oder Bein

Die Beschwerden treten häufig einseitig auf und können sich bei Belastung verstärken.


Ursachen des Piriformis-Syndroms

Die Gründe für eine Reizung des Piriformis-Muskels sind vielfältig:

  • langes Sitzen (z. B. im Büro oder Auto)
  • Überlastung durch Sport (z. B. Laufen)
  • Fehlhaltungen oder muskuläre Dysbalancen
  • unzureichendes Aufwärmen vor dem Training
  • Zu schwache oder verspannte Muskulatur
  • Verletzungen im Bereich Hüfte oder Gesäß
  • seltene anatomische Besonderheiten

Das können Sie selbst tun

  • vermeiden Sie vorübergehend belastende Aktivitäten (z. B. langes Sitzen, schweres Heben)
  • nutzen Sie Wärme oder Kälte – je nachdem, was Ihnen guttut
  • führen Sie gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen durch
  • bleiben Sie in Bewegung, aber vermeiden Sie Überlastung

Schmerzmittel können kurzfristig helfen, sollten jedoch nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.


Warum Bewegung so wichtig ist

Auch wenn es zunächst widersprüchlich klingt: Schonung ist meist nicht die beste Lösung. Zu wenig Bewegung kann die Beschwerden sogar verstärken, da Muskulatur abbaut und Fehlhaltungen entstehen.

Gezielte Bewegung hilft:

  • Verspannungen zu lösen
  • die Muskulatur zu kräftigen
  • die Körperhaltung zu verbessern

Wie wir Sie in der Physiotherapie unterstützen

Wir kombinieren verschiedene Ansätze:

  • Manuelle Therapie: Lösen von Verspannungen und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
  • Dehnübungen: Spezifische Übungen für den Piriformis-Muskel
  • Kräftigung: Stabilisation der Hüft- und Rumpfmuskulatur
  • Haltungsschulung: Vermeidung von Fehlbelastungen im Alltag
  • Wärme- oder Triggerpunktbehandlung: Zur Schmerzlinderung

Unser Ziel ist es, nicht nur Ihre Schmerzen zu lindern, sondern auch die Ursache nachhaltig zu behandeln.


Unser Tipp für den Alltag

  • Vermeiden Sie langes Sitzen – stehen Sie regelmäßig auf
  • Achten Sie auf eine gute Körperhaltung
  • Wärmen Sie sich vor dem Sport ausreichend auf
  • Dehnen Sie die beanspruchte Muskulatur regelmäßig

Unspezifische Nackenschmerzen

Nackenschmerzen verstehen – was wirklich hilft

Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn es im Nacken zieht oder schmerzt. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Wie häufig sind Nackenschmerzen?

Bis zu 70 % der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Nackenschmerzen. Aktuell betroffen sind etwa 10–20 % der Bevölkerung.
Sie sind also definitiv nicht allein mit diesem Problem.


Nackenschmerz ist nicht gleich Nackenschmerz

Auch wenn sich Schmerzen oft ähnlich anfühlen, gibt es unterschiedliche Ursachen:

  • ca. 90 %: unspezifische Nackenschmerzen (ohne klare strukturelle Schädigung)
  • ca. 8–9 %: mit neurologischen Symptomen (z. B. Taubheit, Schwäche)
  • 1–2 %: ernsthafte Ursachen (z. B. Frakturen, Tumoren)

Wichtig: Die meisten Nackenschmerzen sind harmlos.


Gute Prognose

Akute Nackenschmerzen verbessern sich häufig innerhalb von ein bis zwei Monaten deutlich.
Leichte Beschwerden oder ein Wiederauftreten sind möglich, aber meist gut behandelbar.

Ihr Nacken ist belastbarer, als Sie denken

Der menschliche Nacken ist sehr robust. Selbst unter hoher Belastung hält er viel aus.
Schmerz bedeutet also nicht automatisch „Schaden“.


Was zeigen MRT & Co. wirklich?

Bildgebende Verfahren wie MRT zeigen oft Veränderungen – auch bei Menschen ohne Beschwerden:

  • Viele beschwerdefreie Menschen haben z. B. Bandscheibenveränderungen
  • Menschen mit Schmerzen zeigen oft ähnliche Befunde wie schmerzfreie Personen

Fazit: Veränderungen im Bild sind nicht automatisch die Ursache für Schmerzen.

Stress und Psyche spielen eine große Rolle

Nackenschmerzen treten häufig auf, wenn wir:

  • gestresst sind
  • uns angespannt fühlen
  • Probleme im Alltag haben (z. B. Arbeit, Familie)

Der Körper reagiert auf Belastung – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.

Schmerz ist eine Schutzreaktion

Schmerz entsteht, wenn das Nervensystem eine Situation als „bedrohlich“ bewertet.
Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • körperliche Belastung
  • Stress
  • Schlaf
  • allgemeines Wohlbefinden

Schmerz ist also komplex – nicht nur „mechanisch“ erklärbar.

sinnvolle Maßnahmen

  • Bewegung und Training (besonders Schulter- und Nackenmuskulatur)
  • Aufklärung und Verständnis über die Beschwerden
  • aktive Therapie statt passiver Maßnahmen

Eine Kombination aus Beratung und Übungstherapie bildet die Grundlage moderner Physiotherapie.

 weniger hilfreich

Viele rein passive Behandlungen zeigen langfristig wenig Nutzen, z. B.:

  • Lasertherapie
  • Elektrotherapie
  • Traktion
  • isolierte Nadelbehandlungen

Bewegung ist der Schlüssel – auch bei Verspannungen

Selbst bei „verspannten“ Muskeln ist Training sinnvoll:

  • Muskeln werden belastbarer
  • Schmerzen nehmen oft ab
  • Spannung reduziert sich langfristig

Ein verspannter Muskel ist häufig kein „zu starker“, sondern ein überforderter Muskel.


Was Sie konkret tun können

  • Bleiben Sie in Bewegung – auch im Alltag
  • Variieren Sie Ihre Haltung regelmäßig
  • Reduzieren Sie Stress, wo möglich
  • Beginnen Sie mit gezielten Übungen
  • Lassen Sie sich individuell beraten

Unser Fazit

Nackenschmerzen sind häufig, aber meist harmlos und gut behandelbar.
Der wichtigste Schritt ist, aktiv zu werden – mit Bewegung, Verständnis und gezielter Therapie.

Arthrose

Arthrose verstehen:
Warum „Gelenkverschleiß“ zu kurz gedacht ist

Arthrose gilt als die häufigste Gelenkerkrankung weltweit – allein in Deutschland sind rund fünf Millionen Menschen betroffen. Oft wird sie im Alltag als „Gelenkverschleiß“ bezeichnet. Doch dieser Begriff greift zu kurz und kann sogar zu falschen Annahmen führen.

Denn er vermittelt den Eindruck, dass ein Gelenk durch Belastung immer weiter „abnutzt“. Die Folge: Viele Betroffene vermeiden Bewegung – aus Angst, ihrem Gelenk zu schaden. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall.


Bewegung ist Medizin: „Use it or lose it“

Unsere Gelenke sind darauf angewiesen, regelmäßig bewegt und belastet zu werden. Wird ein Gelenk zu wenig genutzt, baut sich der Knorpel eher ab – ähnlich wie ein Muskel, der nicht trainiert wird.

Studien zeigen:

  • Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für Arthrose.
  • Selbst bei bestehender Arthrose kann Bewegung Schmerzen reduzieren.
  • Moderate Belastung wirkt wie „Nahrung“ für den Knorpel.

Bewegung fördert die Durchblutung, verbessert die Gelenkfunktion und unterstützt den Erhalt gesunder Strukturen.


Das richtige Maß: Mindset und Dosierung

Wichtig ist dabei nicht „mehr ist besser“, sondern die richtige Dosierung. Es geht nicht um Extrembelastungen oder Leistungssport, sondern um regelmäßige, angepasste Bewegung.

Geeignete Aktivitäten sind zum Beispiel:

  • Spazierengehen oder Walken
  • moderates Joggen
  • Krafttraining
  • Alltagsbewegung

Ein positives Mindset spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Wer Bewegung als hilfreich statt schädlich versteht, kann aktiver und selbstbestimmter mit Beschwerden umgehen.

Arthrose gehört zum Älterwerden dazu

Mit zunehmendem Alter verändern sich unsere Gelenke – genau wie unsere Haut. Diese Veränderungen sind normal und nicht automatisch mit Schmerzen verbunden.

Wichtig zu wissen:

  • Das Ausmaß der Gelenkveränderungen im Röntgenbild sagt wenig über die tatsächlichen Beschwerden aus.
  • Manche Menschen haben starke Veränderungen ohne Schmerzen – andere umgekehrt.
  • Schmerzen und Funktionseinschränkungen sind individuell und beeinflussbar.

Schmerz ist komplex

Schmerz entsteht nicht nur im Gelenk. Viele Faktoren spielen eine Rolle, darunter:

  • körperliche Belastung und Muskelkraft
  • Stress und Schlaf
  • persönliche Überzeugungen und Erfahrungen
  • Lebensstil und Umfeld

Deshalb ist Arthrose kein rein mechanisches Problem, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Einflüsse.


Ganzheitlich behandeln statt nur Symptome bekämpfen

Die moderne Therapie der Arthrose setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz:

  • Bewegungstherapie als zentrale Maßnahme
  • Aufklärung und Beratung für ein besseres Verständnis
  • Gewichtsmanagement bei Bedarf
  • individuell angepasstes Training

Studien zeigen sogar, dass gezielte Bewegung langfristig effektiver sein kann als Schmerzmedikamente.

Eine Arthrose bedeutet nicht zwangsläufig eine Operation. In vielen Fällen lässt sich ein Gelenkersatz durch konsequente Therapie vermeiden oder deutlich hinauszögern.


Schmerzverlauf – Warum Rückschritte normal sind

„Es ist wieder schlimmer geworden – war alles umsonst?“

Viele erwarten, dass Schmerzen im Verlauf der Therapie stetig besser werden. Wenn sie zwischendurch wieder zunehmen, wirkt das schnell wie ein Rückschritt.

Doch: Schmerzverläufe sind selten linear. Gute und schlechte Tage gehören ganz normal dazu.


Fortschritt verläuft in Wellen

Entscheidend ist nicht der einzelne Tag, sondern die Entwicklung über Zeit.

Man kann sich den Heilungsverlauf wie eine „Toblerone“ vorstellen:
Auf und Ab wechseln sich ab – insgesamt geht es aber vorwärts.

Mehr Schmerz bedeutet also nicht automatisch, dass etwas „schiefgelaufen“ ist.


Warum Schmerzen wieder stärker werden können

Ein sogenanntes „Flare-Up“ hat oft andere Ursachen als gedacht. Häufig spielen Faktoren eine Rolle wie:

  • Stress

  • schlechter Schlaf

  • langes Sitzen

  • emotionale Belastung

Das bedeutet: Der Schmerz kann steigen, ohne dass etwas kaputt ist.

Was jetzt wichtig ist

Statt in Panik zu geraten, hilft es, die Situation einzuordnen:

  • Was war in letzter Zeit anders?

  • Habe ich mich mehr oder weniger belastet?

  • Wie war mein Schlaf oder Stresslevel?

So werden Schmerzspitzen zu einer Lernchance.


Bewegung bleibt wichtig

Auch bei mehr Schmerzen gilt: Aktivität ist sinnvoll – wenn sie angepasst ist!

Das kann z. B. bedeuten:

  • Übungen anpassen statt pausieren

  • gelenkschonendere Alternativen wählen

  • Belastung dosieren statt vermeiden


Kurz zusammengefasst

  • Schwankungen sind normal

  • schlechte Tage sind kein Rückschritt

  • entscheidend ist die langfristige Entwicklung

  • Schmerz bedeutet nicht automatisch Schaden

  • angepasste Bewegung unterstützt die Heilung

Beckenboden – der Weg zu einer stabilen Körpermitte

Warum Beckenbodenphysiotherapie so wichtig ist

Der Beckenboden spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit – und dennoch wird er häufig übersehen. Als muskuläres Netzwerk am unteren Ende des Rumpfes übernimmt der Beckenboden lebenswichtige Aufgaben: Er unterstützt die Organe im Beckenraum, hilft bei der Kontinenz von Blase und Darm, stabilisiert den Rumpf und beeinflusst sogar unsere Haltung und Atmung.

Der Beckenboden hat einige sehr wichtige Funktionen, um unsere Lebensqualität aufrecht zu erhalten. 

 

Zentrale Funktionen

  • Kontinenzsicherung  (Harn- und Stuhlkontrolle)
  • Stützfunktion  für Blase, Gebärmutter bzw. Prostata und Darm
  • Rumpfstabilisation  (mit Zwerchfell, Rücken & Bauch)
  • Beteiligung an der Atmung
  • Sexuelle Funktion

 

 

 

 

 

 

Mit gezielten Übungen, manueller Therapie, Biofeedback ohne/mit Elektrotherapie und auch Atemtechniken hilft die Beckenboden-Physiotherapie, Beschwerden zu lindern oder ganz zu beseitigen. Dabei steht nicht nur die Behandlung im Vordergrund, sondern auch die Aufklärung. Viele PatientInnen lernen erstmals, wo sich ihr Beckenboden befindet und wie sie ihn bewusst aktivieren können. Das richtige Ansteuern der Beckenbodenmuskulatur bildet die essentielle Grundlage für komplexere Übungen. 

Frühzeitiges Training und Prävention sind besonders wirksam – etwa während und nach der Schwangerschaft, im höheren Alter oder nach Operationen im Beckenraum.

Es ist nie zu spät mit dem Beckenbodentraining zu beginnen. 

Beckenboden-Physiotherapie stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Körperbewusstsein und das Selbstvertrauen. Ein gesunder Beckenboden trägt entscheidend zur Lebensqualität bei.

Typische Bestandteile der Therapie:

  1. Aufklärung und Wahrnehmungsschulung
    Viele Menschen wissen gar nicht genau, wie sie ihren Beckenboden bewusst anspannen oder entspannen können.

  2. Gezielte Kräftigungs- und Entspannungsübungen
    Individuell angepasst an Ihre Beschwerden und Ihren Alltag.

  3. Atem- und Haltungsschulung
    Der Beckenboden arbeitet eng mit Zwerchfell und Bauchmuskulatur zusammen.

  4. Alltagsintegration
    Sie lernen, wie Sie Ihren Beckenboden im Alltag – z. B. beim Heben, Husten oder Sport – richtig einsetzen.

  5. Bei Bedarf: Biofeedback oder unterstützende Techniken
    Moderne Therapieansätze helfen, die Muskelaktivität sichtbar und spürbar zu machen.

Die Behandlung erfolgt stets respektvoll, diskret und in geschützter Atmosphäre.

Wann ist Beckenbodentherapie sinnvoll?

Beckenbodentherapie kann unter anderem helfen bei:

  • Harn- oder Stuhlinkontinenz

  • häufigem Harndrang

  • Senkungsbeschwerden (Blase, Gebärmutter, Darm)

  • Schmerzen im Beckenbereich

  • Beschwerden nach Prostata-Operationen

  • Rückenschmerzen mit instabiler Körpermitte

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Endometriose-Beschwerden

Tennisellenbogen

Tennisellenbogen

Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die beim Greifen, Heben oder Arbeiten am Computer stärker werden? Dann könnte ein sogenannter Tennisellenbogen vorliegen.

Trotz des Namens sind nur selten Tennisspieler betroffen. Medizinisch spricht man von einer Epicondylitis lateralis oder treffender von einer Epicondylopathia humeri radialis – also einer Reizung bzw. Überlastung des Sehnenansatzes an der Außenseite des Ellenbogens.


Typische Symptome

  • Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens

  • Ausstrahlung in den Unterarm

  • Schmerzen beim kräftigen Zugreifen

  • Beschwerden bei Drehbewegungen (z. B. Marmeladeglas öffnen)

  • Druckschmerz am äußeren Ellenbogen


Wer ist betroffen?

Etwa 3–5 % der Menschen zwischen 35 und 55 Jahren entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Tennisellenbogen.

Häufig betroffen sind Personen mit:

  • hoher beruflicher Handbelastung

  • wiederholten Greif- oder Drehbewegungen

  • Rauchen

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes

Entscheidend ist meist ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gewebes.

Wie entsteht ein Tennisellenbogen?

Früher ging man von einer klassischen Entzündung aus. Heute weiß man:
In den meisten Fällen stehen Überlastungs- und Anpassungsprozesse der Sehne im Vordergrund.

Auch das Schmerzsystem kann empfindlicher reagieren.
Wichtig dabei:
Die Stärke der Schmerzen sagt nicht automatisch etwas über das Ausmaß einer strukturellen Schädigung aus.


Wie lange dauert es?

Die gute Nachricht:
Ein Tennisellenbogen ist in den meisten Fällen selbstlimitierend.

  • Rund 90 % der Betroffenen erleben innerhalb eines Jahres eine deutliche Besserung.

  • Häufig halbieren sich Schmerzen und Einschränkungen bereits nach 3–4 Monaten.

  • Bei etwa einem Drittel kann es später noch einmal zu Beschwerden kommen.

Was hilft wirklich?

Ziel der Physiotherapie ist es, Belastung und Belastbarkeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

1. Aktives Training (zentrale Maßnahme)

  • Progressiver Kraftaufbau der Unterarm- und Schultermuskulatur

  • Individuell angepasste Belastungssteigerung

  • Training mit unterschiedlichen Muskelarbeitsformen (z. B. haltend oder dynamisch)

2. Unterstützung bei starken Beschwerden

Kurzfristig können helfen:

  • Kühlung

  • Taping

  • Bandagen

  • manuelle oder physikalische Maßnahmen

Langfristig entscheidend ist jedoch das aktive Training.

Darf Training weh tun?

Ein leichter Schmerz während der Übungen ist oft unproblematisch.

Als Orientierung:
Ein Schmerz bis etwa 5 von 10 kann akzeptabel sein, solange:

  • die Beschwerden am Abend nicht deutlich stärker werden

  • am nächsten Morgen keine deutliche Verschlechterung auftritt

Belastung wird individuell angepasst – nicht komplett vermieden.

„Die verrutschte Bandscheibe“

“Ich habe Bandscheibe!“ – Was Rückenschmerzen wirklich bedeuten

Rückenschmerzen werden häufig vorschnell der Bandscheibe zugeschrieben. Doch die Wissenschaft zeigt:
Nur ein kleiner Teil der Rückenschmerzen entsteht tatsächlich durch Bandscheibenprobleme.
Über 85–90 % gelten als unspezifisch und haben keine eindeutige strukturelle Ursache.


Rückenschmerzen haben viele Ursachen

Heute wissen wir, dass Rückenschmerzen durch verschiedene sogenannte Schmerztreiber beeinflusst werden, z. B.:

  • Stress, psychische Belastungen

  • Unzufriedenheit im Alltag oder Beruf

  • Bewegungsmangel oder schlechter Schlaf

Eine erfolgreiche Behandlung berücksichtigt daher immer mehrere Faktoren – nicht nur die Bandscheibe.


Bandscheiben & Gene

Veränderungen an der Bandscheibe sind häufig genetisch bedingt und deutlich weniger durch „Verschleiß“ oder schwere Arbeit verursacht, als lange angenommen wurde.


Bewegung ist wichtig

Bandscheiben brauchen Bewegung und Belastung, um gesund zu bleiben.
Schonung und Inaktivität wirken sich eher negativ aus. Entscheidend ist eine angepasste, regelmäßige Aktivität, keine Extrembelastung.

Kann eine Bandscheibe verrutschen?

Nein. Bandscheiben können weder verrutschen noch herausspringen.
Selbst ein Bandscheibenvorfall verursacht nicht zwangsläufig Schmerzen – viele Menschen haben ihn völlig beschwerdefrei.


Gute Nachricht

Etwa ⅔ aller Bandscheibenvorfälle bilden sich von selbst zurück.
Eine Besserung der Schmerzen ist auch ohne vollständige Rückbildung möglich.


Wann ist eine OP nötig?

Nur selten. Eine Operation ist meist nur bei schweren neurologischen Ausfällen notwendig.
In den meisten Fällen ist eine aktive, physiotherapeutische Behandlung die beste Wahl.


Merke

  • Bandscheiben sind selten allein schuld an Rückenschmerzen

  • Bewegung ist wichtig – nicht Schonung

  • Bandscheiben können nicht verrutschen

  • Viele Veränderungen sind normal und schmerzfrei

  • Physiotherapie hilft, aktiv und sicher zurück in Bewegung zu kommen

Bildgebung

Muss man Schmerzen immer „auf Bildern sehen“?

Viele PatientInnen wünschen sich bei Rücken-, Schulter- oder Gelenkschmerzen ein MRT oder Röntgenbild, um die Ursache der Beschwerden sichtbar zu machen. Der Gedanke ist nachvollziehbar: Wer weiß, was „kaputt“ ist, weiß doch auch, warum es weh tut – oder?

Die Wissenschaft zeigt jedoch: So einfach ist es meist nicht.


Auffällige Befunde sind oft ganz normal

Veränderungen wie Bandscheibenvorwölbungen, Abnutzungen oder Sehnenveränderungen werden in der Bildgebung sehr häufig gefunden – auch bei Menschen ohne Schmerzen. Studien zeigen, dass ein großer Teil beschwerdefreier Personen auffällige
MRT-Befunde hat, teils schon in jungen Jahren.

Diese Veränderungen sind oft Teil normaler Anpassungs- und Alterungsprozesse und haben für sich allein keinen Krankheitswert.

Woher kommt der Schmerz dann?

Schmerz entsteht selten nur durch ein einzelnes „defektes“ Gewebe. Er ist das Ergebnis vieler Faktoren, z. B.:

  • Belastung und Bewegung im Alltag

  • Stress, Schlaf und Erholung

  • frühere Verletzungen

  • Sorgen, Ängste und Erfahrungen

Gewebeveränderungen sind dabei oft nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes – vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs.


Was bedeutet das für Ihre Therapie?

  • Bildgebung hilft in den meisten Fällen nicht, die Ursache von Rücken- oder Gelenkschmerzen zu finden.

  • Die Behandlung richtet sich in der Regel nicht nach MRT-Befunden, sondern nach Ihren Beschwerden und Ihrer Funktion.

  • Unnötige Bildgebung kann sogar verunsichern und die Genesung verzögern.

Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Bildgebung sinnvoll und notwendig ist – z. B. nach Unfällen oder bei ernsthaften Erkrankungen.


Unser physiotherapeutischer Ansatz

Wir behandeln Menschen, nicht Bilder.
In unserer Praxis schauen wir auf Ihre Bewegung, Belastbarkeit und Ihren Alltag, um gemeinsam eine aktive, individuelle Therapie zu entwickeln – mit dem Ziel, Schmerzen zu reduzieren und Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.