Rheumatoide Arthritis: Was hilft wirklich?
Aktuelle Empfehlungen
Regelmäßige Bewegung gehört heute zu den wichtigsten Bausteinen in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA). Lange galt die Sorge, dass körperliche Belastung entzündete Gelenke zusätzlich schädigen könnte. Heute wissen wir: Das Gegenteil ist der Fall. Gut angepasste Bewegung kann Schmerzen lindern, die körperliche Funktion verbessern und die Lebensqualität steigern.
Neben Medikamenten spielen deshalb Physiotherapie, gezieltes Training und ein aktiver Lebensstil eine zentrale Rolle.
Bewegung ist Medizin
Die aktuellen Empfehlungen des American College of Rheumatology (ACR) sprechen eine starke Empfehlung für regelmäßige körperliche Aktivität aus. Dabei geht es nicht um Höchstleistungen, sondern um ein individuell angepasstes Training.
Besonders empfohlen werden:
- Ausdauertraining (z. B. Gehen, Radfahren oder Schwimmen)
- Krafttraining
- Beweglichkeitstraining
- Körper-Geist-Training wie Yoga oder Tai Chi
Wichtig ist vor allem die Regelmäßigkeit. Intensität und Trainingsumfang sollten an die aktuelle Krankheitsaktivität, die Beschwerden und die persönlichen Ziele angepasst werden.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie?
Physiotherapie kann Menschen mit rheumatoider Arthritis dabei unterstützen,
- Schmerzen zu reduzieren,
- die Beweglichkeit zu erhalten,
- Muskelkraft aufzubauen,
- die Gelenke im Alltag zu entlasten und
- Sicherheit im Umgang mit Belastung zu gewinnen.
Dabei gibt es kein Standardprogramm, das für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet ist. Die Behandlung wird individuell auf die betroffenen Gelenke, die Beschwerden und den Alltag abgestimmt.
Je nach Situation können beispielsweise folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- aktive Übungsprogramme
- Kraft- und Funktionstraining
- Mobilisation eingeschränkter Gelenke
- Anleitung zu gelenkschonenden Bewegungsstrategien
- Belastungssteuerung („Pacing“)
- Übungen für Hände bei Handbeteiligung
- Beratung zu Schienen oder Hilfsmitteln
Das Ziel ist immer, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und Beschwerden im Alltag zu reduzieren.
Was zeigt die aktuelle Studienlage?
Nicht jede Maßnahme ist gleich gut untersucht. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch ein klares Bild.
Gut belegt sind:
- regelmäßiges körperliches Training
- Ausdauertraining
- Krafttraining
- Wassertraining
- Tai Chi und andere sanfte Bewegungsformen
Diese Maßnahmen können die körperliche Funktion verbessern und häufig auch Schmerzen reduzieren.
Bedingt empfohlen werden außerdem:
- Physiotherapie und Ergotherapie
- Handtherapie
- Gelenkschutztechniken
- Belastungssteuerung
- Selbstmanagementprogramme
- Kognitive Verhaltenstherapie
- Wärme- und Kälteanwendungen
- Massage
Diese Maßnahmen können sinnvoll sein, sollten jedoch individuell ausgewählt werden.
Ernährung: Was ist sinnvoll?
Auch die Ernährung kann die Behandlung unterstützen.
Am besten untersucht ist die mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und Fisch. Sie kann sich positiv auf Schmerzen und die allgemeine Gesundheit auswirken.
Für spezielle Ernährungsformen wie ketogene, glutenfreie oder andere sogenannte „Arthritis-Diäten“ gibt es dagegen derzeit keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.
Auch Nahrungsergänzungsmittel werden nicht grundsätzlich empfohlen. Nur bei nachgewiesenem Mangel oder einer medizinischen Notwendigkeit können sie sinnvoll sein.
Was wird nicht empfohlen?
Einige Behandlungsformen konnten ihren Nutzen bislang nicht ausreichend nachweisen oder bergen unnötige Risiken.
Dazu gehören unter anderem:
- routinemäßige Elektrotherapie
- chiropraktische Behandlungen der Wirbelsäule bei rheumatoider Arthritis
Hier überwiegt nach aktueller Studienlage der Nutzen die möglichen Risiken beziehungsweise Kosten nicht.
Rheumatoide Arthritis im höheren Alter
Gerade ältere Menschen profitieren häufig besonders von regelmäßiger Bewegung. Studien zeigen, dass Gehen, Krafttraining und Wassertraining dazu beitragen können,
- die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern,
- die Selbstständigkeit zu erhalten,
- Stürzen vorzubeugen und
- die allgemeine Gesundheit zu fördern.
Dabei gilt auch hier: Das Training sollte individuell angepasst und schrittweise aufgebaut werden.
Unser Fazit
Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis besteht heute aus weit mehr als Medikamenten. Ein aktiver Lebensstil, individuell angepasstes Training und eine physiotherapeutische Begleitung können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag leichter zu bewältigen.
