Wenn die Wirbelsäule von der Mitte abweicht
Eine Skoliose ist eine dreidimensionale Veränderung der Wirbelsäule. Das bedeutet, dass sich die Wirbelsäule nicht nur seitlich krümmt, sondern sich die Wirbel zusätzlich verdrehen und auch die natürliche Form der Wirbelsäule von der Seite verändert sein kann. Dadurch können Haltung, Beweglichkeit und Belastbarkeit des Körpers beeinflusst werden.
Was ist eine Skoliose?
Von einer Skoliose spricht man, wenn die Wirbelsäule dauerhaft seitlich von ihrer normalen Achse abweicht. Medizinisch wird eine Skoliose ab einem sogenannten Cobb-Winkel von 10° definiert.
Je nach Alter beim Auftreten unterscheidet man:
- Infantile Skoliose (unter 3 Jahren)
- Juvenile Skoliose (zwischen 3 und 10 Jahren)
- Adoleszente Skoliose (zwischen 10 und 18 Jahren)
Die häufigste Form ist die adoleszente idiopathische Skoliose, die vor allem während des Wachstums in der Pubertät auftritt.
Warum entsteht eine Skoliose?
In etwa 80–85 % der Fälle lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Diese Form wird als idiopathische Skoliose bezeichnet.
Die Entstehung einer Skoliose ist wahrscheinlich das Ergebnis verschiedener Einflussfaktoren. Diskutiert werden unter anderem:
- genetische Veranlagungen
- Unterschiede im Wachstum der Wirbelkörper
- Veränderungen der Muskelsteuerung und Körperwahrnehmung
- hormonelle und biologische Faktoren
Seltener können angeborene Fehlbildungen oder neurologische beziehungsweise muskuläre Erkrankungen die Ursache sein.
Welche Beschwerden kann eine Skoliose verursachen?
Viele leichte Skoliosen verursachen zunächst keine Beschwerden und werden oft zufällig entdeckt.
Mit zunehmender Ausprägung können jedoch auftreten:
- sichtbare Haltungsveränderungen
- Schulter- oder Beckenstandsunterschiede
- Rippenbuckel oder Lendenwulst
- Rückenschmerzen
- Muskelverspannungen
- eingeschränkte Belastbarkeit
- in schweren Fällen Einschränkungen der Atmung
Neben körperlichen Beschwerden können sichtbare Veränderungen der Körperhaltung insbesondere bei Jugendlichen auch das Selbstbewusstsein beeinflussen.
Wie wird eine Skoliose eingeteilt?
Nach der Lage der Krümmung
Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist, unterscheidet man beispielsweise:
- Halswirbelsäule (zervikal)
- Brustwirbelsäule (thorakal)
- Übergang Brust- zu Lendenwirbelsäule (thorakolumbal)
- Lendenwirbelsäule (lumbal)
- kombinierte S-förmige Krümmungen
Nach dem Schweregrad
Der Schweregrad wird mithilfe des Cobb-Winkels bestimmt:
- leichte Skoliose: 10–20°
- mittlere Skoliose: 20–40°
- schwere Skoliose: über 40°
Die meisten diagnostizierten Skoliosen liegen im milden Bereich. Ein kleiner Teil entwickelt sich während des Wachstums weiter und kann stärker ausgeprägt werden.
Wer ist betroffen?
Skoliosen kommen bei etwa 2–3 % der Bevölkerung vor.
Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Mit zunehmendem Schweregrad steigt dieser Unterschied deutlich an. Besonders während der Wachstumsphase zwischen dem 11. und 14. Lebensjahr ist das Risiko für eine Verschlechterung der Krümmung erhöht.
Wie verläuft eine Skoliose?
Der Verlauf einer Skoliose ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem ab von:
- dem Alter bei Diagnosestellung
- dem verbleibenden Wachstum
- der Höhe des Cobb-Winkels
- der Lage der Krümmung
- dem Geschlecht
Während der Pubertät kann sich eine Skoliose am schnellsten verändern. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen in dieser Lebensphase besonders wichtig.
Wie kann Physiotherapie helfen?
Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung der Skoliose. Ziel ist nicht nur die Verbesserung der Haltung, sondern auch die Förderung von Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und Muskelkontrolle.
Zu den Therapieinhalten gehören:
- individuelle Haltungsschulung
- gezielte Kräftigungsübungen
- Atemübungen
- Verbesserung der Beweglichkeit
- Training der Körperwahrnehmung
- Erlernen eines skoliosegerechten Alltagsverhaltens
Wann sollte eine Physiotherapie begonnen werden?
Eine physiotherapeutische Begleitung kann sinnvoll sein:
- nach einer ärztlichen Diagnose
- während des Wachstumsalters
- bei Haltungsschwächen und Asymmetrien
- bei Rückenschmerzen
- zur Unterstützung einer Korsettversorgung
- nach operativen Eingriffen
Je früher eine Skoliose erkannt und begleitet wird, desto besser können Haltung, Beweglichkeit und Lebensqualität langfristig unterstützt werden.
