Schulterarthrose:
Wenn das Schultergelenk schmerzt
Die Schulter ist eines der beweglichsten, aber auch empfindlichsten Gelenke unseres Körpers. Wenn alltägliche Bewegungen wie Haare kämmen, ein Pullover anziehen oder Arbeiten über Kopf zunehmend schmerzhaft werden, kann eine Arthrose des Schultergelenks – die sogenannte Omarthrose – dahinterstecken.
In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, was Schulterarthrose ist, welche Ursachen zugrunde liegen können, wie sie sich bemerkbar macht und welche Möglichkeiten der Behandlung – besonders in der Physiotherapie – zur Verfügung stehen.
Was ist Schulterarthrose?
Die Omarthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung des Schultergelenks (Articulatio glenohumeralis). Sie entsteht durch den fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels, wodurch es zu Reibung, Entzündung und schmerzhaften Bewegungseinschränkungen kommt. Im fortgeschrittenen Stadium können knöcherne Veränderungen (z. B. Osteophyten), eine Einengung des Gelenkspalts und sogar Zysten auftreten.
Wie häufig ist Schulterarthrose?
Obwohl die Schulter nicht zu den tragenden Gelenken gehört, ist sie nach Hüfte und Knie das dritthäufigste Gelenk, das von Arthrose betroffen ist. Studien zeigen:
Etwa 17–19 % der Menschen über 65 Jahren sind betroffen.
Frauen sind tendenziell häufiger betroffen als Männer.
Viele Betroffene berichten über beidseitige Beschwerden.
Erste degenerative Veränderungen treten häufig ab dem 40. Lebensjahr auf.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung der Omarthrose ist meist multifaktoriell. Fachlich unterscheidet man zwischen spezifischen und unspezifischen, lokalen und systemischen Risikofaktoren.
spezifisch – lokal:
Instabilität (z. B. nach Luxationen)
Frakturen im Schulterbereich
Cuff-Arthropathie (Rotatorenmanschettenschäden)
Chondrolyse (Knorpelauflösung)
abweichende Gelenkformen (Scapula-Morphologie)
Milwaukee Shoulder Syndrome (seltene Sonderform)
unspezifisch – lokal:
übermäßige oder fehlende Belastung
Sportarten mit Überkopfbewegungen (z. B. Tennis, Gewichtheben)
berufliche Überlastung (z. B. Bauarbeit)
spezifisch – systemisch:
Rheumatoide Arthritis
Avasculäre Osteonekrose
Neuropathische Arthropathien (z. B. Charcot-Schulter)
unspezifisch – systemisch:
Alter
Übergewicht
genetische Faktoren
Was passiert im Gelenk?–
Der Pathomechanismus
Durch die oben genannten Risikofaktoren kommt es zu einer mechanischen Fehlbelastung oder strukturellen Schwächung des Knorpels. Dies löst biochemische Prozesse aus, bei denen knorpelabbauende Enzyme den Knorpel weiter schädigen. Die Folge sind:
Gelenkschäden
Schmerzen durch Druck im Knochen, Entzündungen oder begleitende psychische Faktoren
Bewegungseinschränkungen durch knöcherne Engstellen, Kapselschrumpfung und Muskelabbau
Wie wird Schulterarthrose diagnostiziert?
Eine exakte Diagnose ist wichtig, da Schmerzen nicht immer mit radiologischen Befunden übereinstimmen. Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus:
Anamnese:
Schmerzen bei Belastung
Nachtschmerz, Bewegungseinschränkung
Gefühl von Einklemmung oder Blockade
Untersuchung:
Bewegungstests (ROM, v. a. Außenrotation)
Palpation (z. B. Gelenkspalt)
Inspektion (z. B. Muskelatrophie, Schwellungen)
Bildgebung:
Röntgen (z. B. zur Darstellung von Osteophyten, Gelenkspalt)
MRT (zur Beurteilung von Weichteilen und Knorpel)
Sonographie
CT (seltener)
Was hilft bei Schulterarthrose? – Behandlung und Therapie
In unserer Physiotherapiepraxis setzen wir auf einen ganzheitlichen, konservativen Ansatz, der die verschiedenen Einflussfaktoren berücksichtigt:
Ziele der Physiotherapie:
Schmerzlinderung
Beweglichkeit verbessern
Muskulatur stärken (insbesondere Rotatorenmanschette und Schulterblattstabilisatoren)
Alltagshandlungen erleichtern
Ergänzende Maßnahmen:
- Haltungsschulung und ergonomische Beratung
Manuelle Therapie
- Wärme- und Kälteanwendungen
Nur wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist, sollte über operative Verfahren (z. B. Schulter-TEP) nachgedacht werden.
Fazit
Die Schulterarthrose ist eine komplexe Erkrankung, die individuell unterschiedlich verläuft. Eine fundierte Diagnostik und eine gezielte physiotherapeutische Therapie können die Beschwerden lindern und die Funktion im Alltag verbessern.
